Er stieß die gebrechliche Tür mit den Schultern auf, und beide gingen hinein. Im Schenkstübchen war niemand, als ein junger Mensch, ein Jude, der in einem schmutzigen Zeitungsblatte las. Er starrte Noah und Noah starrte ihn an.
«Sind dies die drei Krüppel?» fragte Noah.
«So nennt sich das Haus.»
«Wir trafen 'nen Gentleman, der uns hierher rekommandiert hat», fuhr Noah, Charlotte anstoßend, fort, vielleicht, um sie aufmerksam auf seine List zu machen, sich Achtung zu verschaffen, oder vielleicht um sie zu erinnern, ihn nicht zu verraten. «Wir möchten hier übernachten.»
«Ich weiß nicht, ob es geht an,» erwiderte Barney – denn er war der dienende Geist dieses Hauses – «will aber anfragen.»
«Bringt uns unterdes in die Gaststube und gebt uns 'nen Mund voll kaltes Fleisch und 'nen Schluck Bier», sagte Noah.
Barney führte die müden Reisenden in ein Hinterzimmer, brachte ihnen die geforderten Erfrischungen, teilte ihnen zugleich mit, daß sie über Nacht bleiben könnten, und ließ das liebenswürdige Pärchen allein. – Das Zimmer, in welches er sie geführt hatte, befand sich unmittelbar hinter dem Schenkstübchen und lag einige Fuß niedriger, so daß man aus jenem, wenn man von einem Diminutivfensterchen etwas hoch in der Wand einen Vorhang zurückschob, ohne bemerkt zu werden, genau sehen und hören konnte, was die Gäste darin vornahmen oder sprachen. Noah und Charlotte hatten sich kaum zu ihrem Imbisse niedergesetzt, als Fagin im Schenkstübchen erschien, um nach einem seiner jungen Zöglinge zu fragen.
«Pst!» sagte Barney; «es sind nebenan Fremde.»
«Fremde?» wiederholte Fagin flüsternd.
«Ja – nicht aus der Stadt, kurioses Volk; und ich müßte irren sehr, wenn sie nicht was wären für Euch.»