«Fagin, sagt ihm, daß er mich gehen läßt. Ich rat's ihm. Hört Ihr?» rief Nancy, mit den Füßen stampfend.
«Ob ich dich höre? Ja», rief Sikes zurück; «und wenn ich dich noch ein paar Augenblicke höre, so soll dich der Hund dermaßen an der Kehle packen, daß er dir die kreischende Stimme herausreißt. Was fällt dir ein, Weibsbild – was steckt dir im Kopfe?»
«Laßt mich gehen», sagte Nancy flehend, setzte sich an die Tür auf den Boden nieder und fuhr fort: «Bill, laßt mich gehen; Ihr wißt nicht, was Ihr tut – wißt's wahrlich nicht. Nur eine – nur eine einzige Stunde.»
«Ich will mich vierteln lassen,» rief Sikes, sie sehr unsanft beim Arm fassend, «wenn ich nicht glaube, daß die Dirne verrückt – toll und verrückt geworden ist. Steh auf!»
«Ich stehe nicht eher auf, als bis Ihr mich gehen laßt – nicht eher!» schrie Nancy.
Sikes blickte sie eine Weile an, ersah den rechten Augenblick, faßte plötzlich ihre beiden Hände, zog die Sträubende in ein anstoßendes Gemach, setzte sich auf eine Bank, warf sie auf einen Stuhl und hielt sie gewaltsam nieder. Sie bat und suchte sich ihm abwechselnd mit Gewalt zu entziehen, gab endlich, als es zwölf geschlagen hatte, ganz erschöpft ihre Versuche auf, und Sikes verließ sie mit einer durch mehrfache kräftige Beteuerungen unterstützten Warnung, um zu Fagin zurückzukehren.
«Was für'n sonderbares Geschöpf die Dirne ist!» sagte er, sich den Schweiß abwischend.
«Das mögt Ihr wohl sagen – mögt Ihr wohl sagen, Bill», versetzte der Jude nachdenklich.
«Was meinst du denn, was ihr im Kopfe gesteckt hat, noch so spät mit Gewalt ausgehen zu wollen? Du mußt sie besser kennen als ich – was meinst du, Jude?»
«Eigensinn, glaub' ich – Weibertrotz und Eigensinn, mein Lieber», antwortete Fagin achselzuckend.