«Wie?!» rief Monks in heftiger Spannung aus.

«Von mir», wiederholte Brownlow. «Ich sagte es Ihnen, daß Sie schon aufmerken würden auf das, was ich Ihnen zu sagen gedächte. Ja, von mir – ich sehe, Ihr schlauer Verbündeter hat Ihnen meinen Namen verschwiegen, obwohl er nicht annehmen konnte, daß Ihnen derselbe bekannt wäre. Während sich Ihr Bruder als Kranker und Wiedergenesener in meinem Hause befand, erkannte ich zu meinem lebhaften Erstaunen seine große Ähnlichkeit mit dem erwähnten Bilde. Schon im ersten Augenblicke, als ich ihn sah, erinnerten mich seine Züge an einen alten Freund, nur daß mir alles unbestimmt blieb, wie wenn ich mir Traumbilder vergeblich deutlich und klar vor die Seele zurückzurufen suchte. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß er mir entführt wurde, ehe ich seine Geschichte kennen lernte –»

«Warum nicht?» fragte Monks hastig.

«Sie wissen es sehr gut.»

«Ich?»

«Sie leugnen vergeblich und sollen bald sehen, daß ich noch mehr weiß.»

«Sie – Sie können nichts gegen mich beweisen», stotterte Monks. «Tun Sie's, wenn Sie's imstande sind.»

«Wir werden sehen», sagte der alte Herr mit einem durchdringenden Blicke. «Der Knabe wurde mir entführt, und meine Bemühungen, ihn wieder aufzufinden, waren vergeblich. Da Ihre Mutter tot war, so konnten Sie allein, wenn irgend jemand, das Geheimnis enthüllen, und da Sie, wie ich gehört hatte, auf Ihrer Pflanzung in Westindien sich aufhielten – wohin Sie nach Ihrer Mutter Tode gegangen waren, um den Folgen Ihres ruchlosen Lebenswandels hier in England zu entgehen –, so reiste ich Ihnen nach. Sie hatten sich unterdes wieder entfernt, und man glaubte, daß Sie sich in London befänden, doch vermochte niemand genauere Nachweisungen zu geben. Ich kehrte zurück. Ihren Geschäftsführern war Ihr Wohnort vollkommen unbekannt; sie sagten, daß Sie ebenso geheimnisvoll kämen und gingen, wie Sie es immer getan hätten, bisweilen wochen- und monatelang nicht erschienen und aller Wahrscheinlichkeit nach mit den schandbaren Menschen sich umhertrieben, denen Sie sich zugesellt, seit Sie ein trotziger, unlenksamer Knabe waren. Ich hörte nicht auf, sie zu befragen, in Tätigkeit zu erhalten. Ich durchwanderte die Straßen bei Nacht wie bei Tage, allein meine Mühe war bis vor zwei Stunden fruchtlos, wo ich Ihrer endlich zum ersten Male ansichtig wurde.»

«Und da Sie mich nun aufgefunden haben,» nahm Monks, sich dreist erhebend, das Wort, «was mehr? Betrug und Raub sind volltönende Worte – und gerechtfertigt, wie Ihnen scheint, durch die eingebildete Ähnlichkeit eines kleinen Landstreichers mit der Pinselei eines längst Verstorbenen. Allein Sie wissen nicht einmal, ob aus der Verbindung des letzteren mit dem erwähnten Mädchen ein Kind entsproß – wissen das nicht einmal!»

«Ich weiß es wirklich erst seit vierzehn Tagen», erwiderte Brownlow, gleichfalls aufstehend. «Sie haben einen Bruder, wissen es und kennen ihn. Es war ein Testament vorhanden, das Ihre Mutter vernichtete, die Ihnen bei ihrem Tode das Geheimnis und den sündigen Gewinn hinterließ. Das Testament nahm Bezug auf ein Kind, das Ihrem Vater noch geboren werden möchte; es wurde geboren, Sie trafen mit ihm zusammen, und seine Ähnlichkeit mit Ihrem Vater erweckte böse Ahnungen in Ihnen. Sie suchten seinen Geburtsort auf, wo Beweise, lange unterdrückte Beweise seiner Geburt und Herkunft vorhanden waren. Sie vernichteten sie, und, wie Sie Ihrem jüdischen Schand- und Schuldgenossen sagten, sie liegen jetzt auf dem Grunde des Stromes, und die alte Hexe, die sie seiner Mutter nahm, fault in ihrem Sarge. Unwürdiger Sohn, Lügner, Feigling, der du nachts mit Räubern und Mördern in finsteren Gemächern verkehrst, – der du durch schändliche List an dem kläglichen Tode einer Unglücklichen schuld bist, deren Wert Millionen von deinesgleichen aufwog, – der du von deiner Wiege an dem Herzen deines Vaters nur Bitterkeit und Galle warst, – du, in dessen angefaultem Innern die schlechtesten Leidenschaften so lange eiterten, bis sie einen Ausbruch in der scheußlichen Krankheit fanden, die dein Antlitz zu einem Spiegel deiner teuflischen Seele gemacht hat, – Eduard Leeford, setzt du mir auch jetzt noch Trotz entgegen?»