Er folgte nach diesen Worten seiner Ehehälfte mit verzweifelter Resignation, und Brownlow wandte sich zu Rose.

«Mein liebes Fräulein, reichen Sie mir Ihre Hand. Zittern Sie nicht; Sie können die wenigen Worte, welche wir noch zu sagen haben, ohne Furcht hören.»

«Ich weiß nicht, ob sie Bezug auf mich haben können,» sagte Rose, «aber wenn – wenn es der Fall ist, so lassen Sie sie mich ein andermal hören. Ich habe jetzt nicht die Kraft dazu.»

«Sie sind stärker, als Sie glauben», wandte Brownlow ein; «ich weiß es. Kennen Sie diese junge Dame, Sir?»

Monks bejahte.

«Ich sah Sie nie», sagte Rose mit bebender Stimme.

«Ich habe Sie oft gesehen», versetzte Monks.

«Der unglücklichen Agnes' Vater hatte zwei Töchter», fiel Brownlow ein. «Was war das Schicksal der anderen – der jüngsten?»

«Als ihr Vater starb,» antwortete Monks, «an einem fremden Orte, unter angenommenem Namen, ohne das mindeste zu hinterlassen, was zur Auffindung ihrer Verwandten hätte führen können, nahmen arme Leute sie zu sich und erzogen sie. Der Haß spürt nicht selten auf, was der Liebe verborgen bleibt. Meine Mutter fand das Kind nach Jahresfrist. Die Leute waren arm und fingen an, ihrer aufopfernden Großmut müde zu werden. Zum wenigsten war es bei dem Manne der Fall. Meine Mutter ließ ihnen das Mädchen daher, gab ihnen ein unbedeutendes Geschenk an Geld und versprach mehr, was sie aber nie zu schicken gedachte. Die Armut und Unzufriedenheit der Leute verhießen, daß das Kind unglücklich genug werden würde, schienen meiner Mutter indes noch nicht ganz zu genügen. Sie erzählte ihnen daher die Geschichte der Schwester mit angemessenen Veränderungen und sagte ihnen, sie möchten auf das Kind sorgfältig achten, denn es stamme von bösem Blute her, wäre unehelich geboren und würde früher oder später auf üble Wege geraten. Die Umstände schienen das alles zu bestätigen, die Leute glaubten es und behandelten das Kind so hart, wie wir es nur wünschen konnten, bis der Zufall wollte, daß eine damals in Chester wohnende verwitwete Dame aus Mitleid es mit sich fortnahm. Es war, als wenn ein Höllenspuk uns genarrt hätte, denn trotz all unserer Anstrengungen blieb des alten Fleming Tochter bei der Dame und war glücklich; ich verlor sie vor ein paar Jahren aus den Augen und sah sie erst vor wenigen Monaten wieder.»

«Sehen Sie die junge Dame jetzt?»