„Weiter also! Einige flüstern Dieß, Andere flüstern Jenes; sie sprechen von nichts Anderem; selbst der Brunnen scheint nach dieser Melodie zu plätschern. Endlich eines Sonntags Nachts, als das ganze Dorf schlief, kamen Soldaten den Weg vom Gefängniß herab und ihre Gewehre klirrten auf den Steinen der Dorfgasse. Arbeitsleute graben und hämmern, Soldaten lachen und singen, und des Morgens steht an dem Brunnen ein Galgen vierzig Fuß hoch und vergiftet das Wasser.“
Der Straßenarbeiter sah mehr durch die niedrige Decke als zu derselben hinauf und wies mit dem Finger, als ob er den Galgen irgendwo im Himmel sähe.
„Alle Arbeit hört auf, Alle sammeln sich dort, Niemand treibt die Kühe aus, die Kühe sind mit den Uebrigen dort. Des Mittags hört man Trommelwirbel. Des Nachts sind Soldaten zu dem Gefängniß hinaufmarschirt und er kommt in der Mitte vieler Soldaten. Er ist gebunden wie früher und in seinem Munde steckt ein Knebel — mit einer straffen Schnur so festgemacht, daß es fast aussah, als ob er lachte.“ Er machte es nach, indem er mit den beiden Daumen von den Mundwinkeln bis zum Ohre die Backen in zwei lange Falten legte. „Oben auf dem Galgen steckt das blanke Messer, mit der Spitze gen Himmel gerichtet. Dort wird er vierzig Fuß hoch gehenkt — und bleibt hängen und vergiftet das Wasser.“
Sie sahen sich einander an, wie er sich mit seiner blauen Mütze das Gesicht abwischte, aus dem der Schweiß in großen Tropfen hervordrang, wie er sich das Schauspiel zurückrief.
„Es ist entsetzlich, Messieurs. Wie können die Frauen und Kinder Wasser holen? Wer kann des Abends unter diesem Schatten plaudern! — Unter dem Schatten habe ich gesagt? Als ich das Dorf verließ am Montag Abend als die Sonne zu Bett ging, und ich mich noch einmal von der Höhe umsah, da fiel der Schatten quer über die Kirche, quer über die Mühle, quer über das Gefängniß — schien wie ein gerader Strich über die Erde zu gehen bis dahin, wo der Himmel auf ihr ruht.“
Der hungerige Mann zerbiß einen seiner Finger, während er die drei Andern ansah, und der Finger zitterte ihm vor Gier.
„Das ist Alles, Messieurs. Ich verließ das Dorf mit Sonnenuntergang (wie mir gesagt worden war) und bin diesen und den nächsten halben Tag marschirt, bis ich diesen Kameraden traf (was mir auch gesagt worden war). Mit ihm setzte ich meinen Weg fort, bald zu Fuß und bald zu Wagen, gestern Nachmittag und diese Nacht, und hier bin ich nun!“.
Nach einem düstern Schweigen sagte Jacques Eins: „Gut! Ihr habt getreulich gethan und berichtet. Wollt Ihr draußen vor der Thür ein Weilchen warten?“
„Sehr gern“ sagte der Straßenarbeiter, worauf Defarge ihn hinausbrachte und dann wieder zurückkehrte.
Die Drei waren aufgestanden und hatten die Köpfe zusammengesteckt, wie er wieder in die Dachkammer trat.