Der Spion, welcher gekommen war, jeden Brosamen, den er finden oder erfinden konnte, aufzulesen, ließ in seinem lauernden Gesichte nicht durchblicken, daß er bis dahin umsonst gekommen war, sondern blieb — den Ellenbogen auf Madame Defarges kleinen Ladentisch gelegt — mit einer Miene herablassender Galanterie stehen und nahm dann und wann ein Schlückchen Cognac.
„Eine schlimme Geschichte, Madame, diese Hinrichtung Gaspard’s. Ach der arme Gaspard!“ sagte er mit einem Seufzer tiefsten Mitleids.
„Mein Gott!“ entgegnete Madame leichthin. „Wenn Leute Messer zu solchen Zwecken verwenden, so müssen sie dafür büßen. Er wußte im Voraus, was der Preis für seine Liebhaberei war. Er hat den Preis bezahlt.“
„Ich glaube,“ sagte der Spion im vertraulichsten Tone und in jeder Muskel seines arglistigen Gesichts verletzte revolutionäre Empfindlichkeit ausdrückend; „ich glaube, das Schicksal des armen Mannes hat in diesem Quartier viel Mitleid erregt und viel Aufregung verursacht? Ganz unter uns!“
„Wirklich?“ fragte Madame gleichgiltig.
„Nicht?“
„Hier ist mein Mann!“ sagte Madame Defarge.
Als der Inhaber des Weinschanks zur Thür hereintrat, griff der Spion grüßend an den Hut und sagte mit zuvorkommendem Lächeln: „Guten Tag, Jacques!“ Defarge blieb stehen und sah ihn verwundert an.
„Guten Tag, Jacques!“ wiederholte der Spion weder ganz so zuversichtlich noch mit einem so unbefangenen Lächeln wie das erste Mal.
„Sie irren sich, Monsieur,“ gab der Inhaber des Weinschanks zur Antwort. „Sie nehmen mich für einen Andern. Das ist nicht mein Name. Ich heiße Ernest Defarge.“