„Das ist recht; Alles gesund und wohl! Ich weiß nicht, weshalb hier etwas Anderes als Gesundheit und Wohlsein sein sollte — Gott sei Dank! Aber ich habe mich den ganzen Tag über so geärgert und ich bin nicht mehr so jung, wie ich war! Thee, meine Gute? Danke Ihnen. Jetzt nehmen Sie Ihren Platz in dem Kreise ein und dann wollen wir stillsitzen und den Echo’s zuhören, über die Sie Ihre Theorie haben.“

„Keine Theorie; es war eine Phantasie.“

„Eine Phantasie denn, mein kluges Weibchen,“ sagte Mr. Lorry und klopfte ihr liebkosend auf die Hand. „Aber es sind ihrer sehr viele und sie sind sehr laut — nicht wahr? Hören Sie nur!“

Ungestüm, toll und gefährlich sind die Schritte, wenn sie sich in Jemandes Leben drängen — Schritte, die, einmal roth gefärbt, nicht leicht wieder rein zu machen sind, — die Schritte, wie sie weit weg in St. Antoine toben, während der kleine Kreis an dem dunkeln Fenster in London sitzt.

St. Antoine war an diesem Morgen ein ungeheures schwarzes Hin- und Herwogen von Vogelscheuchen gewesen und über den Wogen dieses Meeres funkelte es häufig hell, wie Klingen und Bayonnette von Stahl in der Sonne glänzen. Ein fürchterliches Gebrüll erscholl aus der Kehle St. Antoine’s und ein Wald nackter Arme regte sich in der Luft, wie verdorrte Baumäste in einem Wintersturm und jede Hand hielt krampfhaft eine Waffe oder den Schein einer Waffe gepackt, welche die Tiefe ausspie, Niemand konnte sagen wie weit her.

Wer die Waffen vertheilte, woher sie kamen, durch wessen Vermittelung sie zu Dutzenden auf einmal wie eine Art Blitze über die Köpfe des Gewühles hinfuhren, hätte Niemand in dem Gedränge sagen können; aber Flinten wurden vertheilt und auch Patronen, Pulver und Kugeln, Stangen von Eisen und Holz, Messer, Aexte, Piken, jede Waffe, welche zornwüthender Scharfsinn entdecken oder ersinnen konnte. Leute, die nichts anderes finden konnten, mühten sich mit blutenden Händen ab, Steine und Ziegel aus der Mauer zu reißen. Jeder Puls und jedes Herz in St. Antoine war in hoher Fieberhitze. Jedes lebendige Geschöpf daselbst hielt das Leben für nichts und war mit einer wahnwitzigen Leidenschaft erfüllt, es hinzuopfern.

Wie ein Wirbel kochenden Wassers einen Mittelpunkt hat, so bewegt sich alles dieses Gewühl im Kreise um Defarge’s Weinladen herum und jeder Menschentropfen in dem Kessel zeigt eine Neigung, nach dem Mittelpunkte hingezogen zu werden, wo Defarge, schon ganz schwarz von Pulver und Schweiß, Befehle gab, Waffen vertheilte, diesen Mann zurückstieß, einen Andern hervorzog, Einen entwaffnete, um den Andern zu bewaffnen und in dem dichtesten Gewühl thätig war.

„Bleib in meiner Nähe, Jacques Drei!“ rief Defarge; „und Ihr Beide, Jacques Eins und Zwei, stellt euch Jeder an die Spitze von so viel Patrioten als Ihr zusammenbringen könnt. Wo ist meine Frau?“