„Haltet die Fackel höher!“ — sagte er zornig zu dem Gefangenwärter. „Jacques, suche sorgfältig unter diesen Stücken nach. Und wart! Hier ist mein Messer! (Er warf es ihm hin.) Schneide das Bett auf und suche im Stroh. Ihr da! Haltet die Fackel höher!“
Mit einem drohenden Blick auf den Gefangenwärter kroch er auf den Herd, sah den Schornstein hinauf, klopfte an seine Wände mit dem Brecheisen und schüttelte an den eisernen Stäben davor. Nach einigen Minuten fiel etwas Kalk und Staub herab, dem er mit dem Kopfe auswich; und darin und in der alten Holzasche und in vier Spalten im Schornstein, welche seine Waffe gefunden oder gemacht hatte, suchte seine Hand sorgfältig.
„Nichts im Holze und nichts im Stroh, Jacques?“
„Nichts!“
„So wollen wir sie in der Mitte der Zelle auf einen Haufen sammeln. So! Ihr da — zündet ihn an!“
Der Gefangenwärter zündete den kleinen Haufen an, der hoch und heiß emporloderte. Sie ließen es fortbrennen, bückten sich wieder, um durch die niedrig gewölbte Thür zu kommen und kehrten nach dem Hofe zurück. Erst allmälig auf dem Rückweg schienen sie das Gehör wieder zu bekommen, bis sie wieder mitten in dem tosenden Meere waren.
Das Meer brandete und wogte hoch auf und wollte Defarge wieder haben. St. Antoine rief laut nach seinem Weinschenken, damit er der Hauptmann der Wache über den Commandanten sei, der die Bastille vertheidigt und das Volk todtgeschossen hatte. Anders konnte der Commandant nicht nach dem Stadthaus vor Gericht gebracht werden. Anders würde der Commandant entweichen und das Blut des Volkes (das nach vieljähriger Werthlosigkeit plötzlich einigen Werth bekommen hatte) ungerächt bleiben.
In dem heulenden Meer von Leidenschaft und Wuth, das der finstere alte Officier in seinem grauen Rock mit rothen Aufschlägen ganz einzuschließen schien, gab es blos eine ganz ruhige Gestalt und dieß war die Gestalt eines Weibes. „Seht — dort ist mein Mann!“ rief die Frau aus und wies auf ihn mit der Hand. „Seht Defarge!“ Sie stand unbeweglich dicht neben dem finstern alten Officier und blieb unbeweglich neben ihm stehen; blieb unbeweglich dicht neben ihm durch die Straßen, wie Defarge und die Uebrigen ihn fortschleppten; blieb unbeweglich dicht neben ihm, wie er seinem Ziele nahe war und Einer ihm von hinten einen Schlag versetzte; blieb unbeweglich dicht neben ihm, als der seit Langem gesammelte Regen von Stößen und Schlägen schwer niederfiel; war so dicht neben ihm, als er todt zusammensank, daß sie plötzlich lebendig geworden ihren Fuß auf sein Genick setzte und ihn mit dem scharfen lange bereit gehaltenen Messer den Kopf abschnitt.