Von den Straßen jenseits der hohen Mauer und des festen Thores tönte das gewöhnliche nächtliche Brausen der großen Stadt herüber, in welches sich dann und wann ein unbeschreiblich unirdischer Ton mischte, als ob ungewohnte Klänge haarsträubender Art hinauf zum Himmel tönten.
„Gott sei Dank,“ sagte Mr. Lorry und faltete die Hände, „daß Niemand von denen, die meinem Herzen nahe stehen, heute Nacht in dieser schrecklichen Stadt ist. Möge er sich aller derer erbarmen, die in Gefahr sind!“
Bald darauf läutete die Glocke an dem großen Thor und er dachte „sie sind wieder da!“ und lauschte. Aber es brach kein lärmender Haufe in den Vorhof, wie er erwartet hatte, und er hörte das Thor wieder zufallen und alles war still.
Die Unruhe und Bangigkeit, welche ihn befingen, erzeugten jene unbestimmte Sorge um die Bank, die bei so hochgespannten Gefühlen eine große Verantwortlichkeit von selbst zur Folge hat. Sie war wohl bewacht und er stand auf, um die zuverlässigen Leute zu besuchen, welche Wache hielten, als seine Thür plötzlich aufging und zwei Gestalten hereinstürzten, deren Anblick ihm vor Erstaunen zurücktreten machte.
Lucie und ihr Vater! Lucie, die Arme ihm entgegenstreckend und mit jenem alten Aussehen tiefen Ernstes so verstärkt, daß es schien als ob es ihrem Gesicht ausdrücklich aufgeprägt wäre, um ihm in dieser einen schweren Stunde ihres Lebens Kraft und Ausdruck zu verleihen.
„Was ist das!“ rief Mr. Lorry verwirrt und athemlos aus. „Was giebt es? Lucie! Manette! was ist vorgefallen? was bringt Euch hierher? Was giebt es?“
Mit starr auf ihn geheftetem Auge und bleichem und verstörtem Gesicht stöhnte sie flehend in seinen Armen „ach, mein Freund! mein Gatte!“
„Ihr Gatte, Lucie?“
„Charles.“
„Was ist mit Charles?“