„Du siehst traurig aus.“

Er trank und antwortete:

„Ja, es geht mir dreckig heute abend.“

Dann erhob er sich und ging.

Er flüchtete sich und schritt mitten durch die schwarzen und volkreichen Häuser, vorbei an den Läden und den Schenken seiner Jugend, während die Wagen auf dem Pflaster schmetterten; er sah die Passanten der Vorstadt dahingehen, angefangen bei den Arbeiterfrauen, die auf der Straße keiften, bis zu den Kameraden in blauem Kittel, die ein Straßenmädchen, ihr Weib, lachend begleitet. Das Leben erwachte und lebte in einer Art Fieber, angefangen bei dem Geschrei und Rennen der einen bis zum Alkohol und der Liebe der andern. Die Luft roch wie am Eingang eines Gewürzladens en gros oder am Eingang einer Weinhandlung. Da, im Viertel Plaisance, dachte er an seinen Freund, den langen Jules, und fühlte wieder die Hoffnung wachsen. Man geht eines Nachmittags im August durch die Rue de Vanves, man erinnert sich, daß der lange Jules die Syphilis gehabt hat, es fällt einem ein, daß Charlot, Paul und andre sie noch haben, und man denkt, daß diesen allen die Syphilis nichts angetan hat. Dann sagt man sich: „Aber nichts spricht dafür, daß ich selbst die Krankheit habe.“ Und man versucht, sich zu beweisen, daß man sie nicht haben kann, weil Berthe die ersten Anzeichen bemerkt und man sich sofort enthalten hat.

So kam er in der Avenue du Maine an, in bekannter Gegend. Es gibt hier Bars, wo die Freunde sich aufhalten. Schon wollte Maurice sie aufsuchen, als er auf einer Terrasse den langen Jules bemerkte.

„Ich dachte an dich. Da bist du.“

Der lange Jules trank einen Mokka auf der Barterrasse, ganz allein, und blickte auf die Straße. Die Mütze im Nacken auf seinem festen und geraden Kopf, blickte er auf die Dinge und die Passanten, und seine Gedanken, sicher und ruhig wie er selbst, nahmen jeder seinen richtigen Platz ein, sicher und ruhig, und hoben ihm den Kopf. Maurice setzte sich neben ihn. Der lange Jules hatte ihn gern, obwohl er klein war, seines Willens wegen, der seine Muskeln und seine Kinnbacken straffte. Die Fußgänger zogen an ihnen vorüber, während sie sie betrachteten. Das erinnerte an den Schöpfungstag, als Adam, der König der Welt, am Fuße einer Eiche sitzend, die Tiere an sich vorüberziehen sah, sie prüfte und sie benannte.

Schließlich hielt sich Maurice nicht länger zurück.

„Du hast Syphilis gehabt. Ist es wahr, daß sie einen umschmeißt?“