„Nun also, meine Kleine, warum treibst du dann noch dein Geschäft?“
Darum. Wenn Maurice etwas Geld hätte, würde sie sich einen Blumenladen aufmachen. Sie hätte zwei Arbeiterinnen, denen sie täglich zwanzig oder fünfundzwanzig Sous bezahlte und die ihr dreimal soviel verdienten. Berthe kam dann auf all ihre Geschichten: Sie war einem Herrn begegnet, der sie nach Rußland mitnehmen sollte. Sie lernte einen jungen Mann kennen, der ihr Tanzunterricht gab, damit sie ins Moulin Rouge eintreten könnte, wo man für das Mittanzen in den Quadrillen bezahlt wird. Sie sollte in einem Café-Konzert singen, in einem blauseidenen Kleid, bis daher ausgeschnitten. Maurice wollte einen Phonographen kaufen und beide wollten auf den Festen der Umgebung von Paris umherziehen. Sehr gern hätte sie Verkäuferin in einem Tabakladen sein wollen: „Zigarren gefällig, mein Herr“, und man lächelte bei diesen Worten.
Sie erging sich in all den Geschichten einer armen herumstreichenden Dirne. Ihre Phantasie machte allerhand Sprünge, und es war erquicklich, ihr zu folgen und, was immer man unternahm, Glück zu haben. Die Männer sagen sich: Man zieht sie auf und läßt sie schwätzen. Kennt man die Welt, so ruht man wahrhaftig von seiner Plackerei aus, wenn man den Kindern zuhört.
Aber Louis Buisson sagte:
„Meine Kleine, wenn du nicht glücklich sein wirst, mußt du uns besuchen. Du wirst uns deine Geschichten erzählen, und ich weiß, daß uns das Vergnügen bereiten wird.“
Dann verließ er sie, da er arbeiten wollte. Da sagte Pierre: „Du sollst kommen. An den Tagen, an denen du traurig sein wirst, sollst du kommen. Du wirst sagen: O, wie mir schwer zumute ist, wie mir schwer zumute ist! Ich werde dir in die Augen sehen und dir antworten: Auch ich habe Tage, wo mein Herz zerbirst. Du wirst sehen, wie Mann und Frau glücklich sind, zusammen zu dulden. Ich bin ganz allein, und wenn ein Freund mich besucht, ist es mir, als würde ich niemals mehr ganz allein sein. Abends findest du mich, vor dem Essen, und wirst mit mir speisen. Nachher findet man mich auch. Du wirst mein kleines Herz werden, du hast mir gefehlt. Fürchte nichts. Die Frauen bilden sich immer ein, daß man sie mißbrauchen will.“
So redete er und zu tiefst dachte er: „Es ist so schön, ein Weib neben sich zu haben!“
Sie kam ziemlich oft. In der ersten Zeit traute sie sich nicht und pochte zaghaft an der Türe, ein leises Kratzen von Ameisenfüßen.
„Ich komme dich besuchen. Ich bin hier vorübergegangen. Da hab ich mir gesagt: Wart, ich schau zu Pierre hinauf.“