Das war anfangs vor dem Essen, wenn der Hunger den Wolf aus dem Walde treibt.
Im Restaurant entschuldigte sie sich: „Bitte, verzeih, daß ich das Salz vor Dir nehme.“ Es gibt viel Schüchternheit in unserm Herzen, und ist man ein Freudenmädchen mit tanzendem Herzen, so bleibt man trotzdem unter Männern ein Weib, sanftmütig und zaghaft.
Etwas später sagte sie:
„Ich bin zu dir gekommen, ich weiß, daß es dir nicht fad ist.“
Sie kam ziemlich oft. Sie kam an den Tagen, da sie traurig war, noch einen Rest der Liebesfreuden in den Kleidern und die Brutalitäten der Mädchenhirten. Sie kam an den Tagen, da sie krank war und ihre Leiden wie eine beständige Verzweiflung in ihrem Kopf herumgingen. Sie kam niemals, wenn sie fröhlich war, denn dann sind die Straßen da, in denen man herumtollt, die Zuhälter, bei denen die Freude ausgiebiger ist, und das Geld der Straßenmädchen, das auf allen Schenktischen fliegt. Sie kam besonders an Abenden, da sie mit ihrem Beruf abzurechnen hatte und ihr Brot kriegen wollte.
„Schau her.“
Sie zeigte ihm Zunge und Gaumen, die voll Wunden waren, die ganze Abende Küsse austeilten und ihren Speichel wie Lust in den Mund der Männer gleiten ließen . . . Sie hatte Halsschmerzen und ihre Stimme kratzte, als stieße sie gegen etwas, das sich im Halse festgesetzt hatte. Sie fühlte auch in den Knochen Schmerzen, die aus ihrem Innern zu kommen schienen wie aus einem Sammelbecken des Schmerzes. Übrigens wollte sie Quecksilberpillen nicht einnehmen, weil sie gehört hatte, daß Quecksilber das Leiden hervortreibe.
Sie kam an gewissen Abenden, ohne seit dem vorigen Tag gegessen zu haben. Das merkte man ihr nicht an, das Unglück sieht wie jedermann aus. Sie sträubte sich zunächst in einer Art von Stolz; im Restaurant aß sie nicht mehr als sonst: „Ich darf ihm doch nicht mehr Auslagen machen“, aber nach der Mahlzeit, wenn sie satt war, konnte sie sich nicht zurückhalten: „Weißt du, was ich zu Mittag gegessen habe, hätte mir kein Magendrücken verursachen können.“
Pierre sagte: