Und hier, auf dem Stuhle kauernd, war sie ein zusammengebrochenes Wild, das sein letztes Leben in den Flanken spürt, das es für immer aushaucht und mit dem Blick noch sein Lager streift, bevor es darin seine Überreste zurückläßt.

Sie sagte:

„Laß mich hier schlafen. Ich kann nicht fortgehn. Ich bitte dich darum, denn ich weiß, daß ich dir große Unannehmlichkeiten bereiten werde.“

Das sagte ein Straßenmädchen, dem die Nächte berufsmäßig kostbar sind, daß sie eine jede auf zehn Francs einschätzt, und für das die verlorenen Nächte brotlose Tage sind. Sie bat um Gnade, sie, die den Preis gewährter Gnade kannte, die auch wußte, daß ein Menschenleib bezahlt wird, und daß man Geld empfängt von denen, die man tröstet.

Er legte sich neben sie. Er nahm sie in seine Arme, in denen sie lag, kalt vom Kopf bis zu den Füßen wie ein eisiger Sturm, wie ein Feld, dessen Ernte vom Hagel zerbrochen ist. Er legte sie an sein Herz und hielt sie lange warm in glühender Hingabe, ein leises mitleidvolles Klagen entfuhr ihm einer Flamme gleich.

Er sagte nichts, er dachte nicht an das Weib, er war selbst von diesem Schmerz ganz eingehüllt und hätte am liebsten gerufen:

„Arme kleine Heilige! Arme kleine Heilige!“

IX