An der Ecke der Rue Greneta gab es eine Ansammlung um vier Sänger herum. Es war noch nicht zehn Uhr, und sie sangen an der letzten Straßenecke vielleicht ihr letztes Lied. Der Vater kratzte eine Geige aus rotem Holz, deren neue und kreischende Stimme nur ein Lärm war, und blickte auf den Kreis von Gaffern mit Augen, in denen man Funken und Blut laufen sah. Die Mutter, mit einem Bauch, geweitet von Geburten, mit den hängenden Brüsten eines abgenutzten Tieres, hatte in ihrem zerstörten Gesicht zwei Augen so blau wie zwei beschmutzte Blumen. Sie sang mit der spitzen Stimme eines keifenden Weibes. Und die beiden kleinen Kinder, die jeden Abend sangen, zitterten auf ihren Beinchen. Das eine von ihnen rollte die Augen wie ein böses Tier; es ähnelte dem Vater; es war so erschöpft, daß es hätte beißen mögen. Aber das kleinere, gelbhäutige, mit blauen Augen, hätte wie die Mutter auf den Rücken fallen und schlafen mögen. Paris hatte sie in seine zermalmende Hand genommen, und alle vier, die guten und die bösen, waren sie zermalmt worden.
„Erinnerst du dich noch, Lison,
In deinem Stübchen
Warf ich die Kleider rasch davon
Wie du, mein Liebchen.“
Mütter mit ihren Töchtern hörten zu. Drei kleine Arbeiterinnen, die das Lied sich gekauft hatten, folgten den Worten. Passanten waren müßig stehen geblieben, andre warfen einen Blick hin und gingen weiter. Es gab nicht viele Leute um die Sänger, weil es zuviele Lieder gab. Pierre Hardy machte Halt. Man schaut es sich an, weil man etwas anschauen muß. Ebenso mehrere öffentliche Mädchen, denn sie wissen, daß die Ansammlungen ausgezeichnete Gelegenheiten bieten. Und die ungelenke Stimme der roten Geige, über den drei andern Stimmen gleichgültig schwebend, mechanisch, ohne Feinheit:
„Du sagtest: ‚Lieb, ich zeige Dir
Sehr lustige Dinge,
Doch leg in meine Büchse hier
Paar Silberlinge‘.“