Was eintreffen sollte, traf eines Tages ein, als Bübü, damals neunzehn Jahre alt, die Bekanntschaft eines dicken Mädchens aus der Rue de la Gaîté machte. Da sie nachts arbeitete, mußte Bübü über den Tag frei verfügen, um sich seiner Liebe widmen zu können. Rasch entschlossen, wie Bübü war, teilte er in der Werkstatt mit, daß er die Kunsttischlerei aufgebe, um Möbelpacker zu werden. Er teilte das stolz mit, denn man neckte ihn wegen seines schmächtigen Wuchses, und nun sollte allen bewiesen werden, daß Bübü stark war wie ein Möbelpacker.

Er war mit seinem neuen Beruf, in dem der Tag gut bezahlt wird, man freie Zeit in Überfluß hat und ein anstelliger Mensch sich einen Nebenerwerb schaffen kann, zufrieden. Er kaufte zum Beispiel niemals Schuhe. Seine Kenntnis der Frauen nahm im Verkehr mit der dicken Hortense zu. Seine Mutter billigte nicht immer sein Tun, aber Bübü, dessen Überzeugung stark war, fand feste Worte, die sie abmuckten, und er zeigte ihr zwei- oder dreimal, daß er ein Mann der Tat war und Widerspruch nicht liebte. Er verharrte auf seinem Weg, ließ Hortense im Stich, dann erreichte er seine Volljährigkeit. Wegen eines Fußleidens wurde er vom Militärdienst befreit.

So bereitete sich Maurice Bélu vor. In Wirklichkeit waren seine Zukunftsideen unbestimmt, doch wußte er, daß man Geld und ein Weib braucht. Diese zwei Mächte des gegenwärtigen Lebens bestimmen unser zukünftiges Leben. Er ließ sich eine Summe von fünftausend Francs auszahlen, die ihm vom väterlichen Erbe zukam. Mit dem Weibe versorgte er sich selbst.

Der vierzehnte Juli kam. Hochglücklicher Tag, an dem die Weinstuben voll Fahnen sind, an dem die sozialistisch-revolutionären Komitees ihre Siege feiern. Am Abend sind die Tanzsäle mit Lampions umkränzt, die Trompeten tönen kupfern und die Kaffeehaustische bedecken dank besonderer behördlicher Erlaubnis die Straße. Das Volk läßt am Jahrestag der Befreiung seine Töchter in Freiheit tanzen.

Berthe Méténier, kleine Blumenarbeiterin von siebzehn Jahren, schaute in Begleitung Marthes, ihrer älteren Schwester, und Blanches, ihrer jüngeren Schwester, dem Ball in der Rue de Vanves zu. Das schwarze Haar rings um ihr Gesicht gab ihr ein blasses Aussehen, aber ihre Augen lebten voll Sanftmut. Maurice forderte sie zum erstenmal zum Tanz auf, dann tanzten sie ein zweites Mal und darauf ein drittes Mal.

Sie tanzten bewunderungswürdig alle beide, sie waren fast gleich groß, er war sehr wohlerzogen, sie war sehr sanft. Er lud sie ein, etwas zu sich zu nehmen, aber sie lehnte ab, weil sie mit ihren zwei Schwestern da sei. Er ließ sich die ältere Schwester Marthe zeigen und trat auf sie zu, indem er den Hut lüpfte:

„Verzeihung, Fräulein, aber da Sie Mutterpflichten erfüllen, will ich eine Bitte an Sie richten. Wollen Sie mir erlauben, daß ich Ihrem Fräulein Schwester ein Glas Limonade anbiete, und mir das Vergnügen bereiten, auch etwas zu nehmen?“

Marthe wußte, daß man nicht Gefahr läuft, wenn man die Einladung eines wohlerzogenen Mannes annimmt. Man setzte sich, man plauderte. Er war Kunsttischler und konnte täglich sieben bis acht Francs verdienen.

Marthe war Wäscherin und arbeitete in einer Anstalt, wo Blanche in die Lehre ging.