Und nachdem er so gesagt, setzte er sich wieder hin, stützte seinen Kopf in beide Hände, und versank in sein voriges Hinstarren.

Vergebung! sprachen wir, aber wirklich, wir haben nicht vermuthet, daß unsre Fröhlichkeit euch beleidigen könnte.

Der Mann gab keine Antwort, und so verging eine halbe Stunde in Flüstern und Vermuthungen.

Endlich deckte ein Negermädchen die Tafel. Nach vielen und eindringlichen Bitten, Theil an unserm Mahle zu nehmen, setzten sich Wirth und Wirthin zu uns. Er kostete nun ein Glas Cognac, und leerte es auf einen Zug. Wir füllten es; wieder trank er es aus und wieder wurde es gefüllt. Als er das dritte Glas geleert hatte, entstieg ihm ein schwerer Seufzer; dem Mann wurde augenscheinlich leichter.

Gemmen! sprach er, ihr werdet mich für stöckisch und rauh gehalten haben, als ich euch traf, wie ihr meine Kuh gejagt; aber ich sehe nun, wen ich vor mir habe. Aber möge ich erschossen werden, wenn ich ihn je finde, so will ich ihm auch eine Kugel durch den Leib jagen, und ich verbürge mich, er wird kein zweites Mal Buben stehlen.

Buben stehlen? sprach ich. Ist einer eurer Neger gestohlen worden?

Einer meiner Neger, Mann? Mein Sohn, mein einziger Sohn! Mein ehelich gezeugter Sohn! Ihr Kind! auf sein Weib deutend, unser Bube ist gestohlen! Unser Bube, der uns allein von fünf Kindern übrig geblieben, die das Fieber uns genommen, die wir begraben haben. Ein Bube, so rüstig, so gescheid, so lieblich, so flink, als je einer in diesen Hinterwäldern geboren ward. Da haben wir uns nun hieher gesetzt, in die Wildniß, haben Tag und Nacht gearbeitet, haben Mühe und Gefahren ausgestanden, Hunger und Durst, Hitze und Kälte. Und für wen? Hier sitzen wir allein, verlassen, kinderlos, trostlos, betend, und weinend, fluchend und ächzend. Nichts hilft, Alles umsonst. Nein, ich werde noch wahnsinnig! Wenn er todt wäre! Wenn er hinten unterm Hügel an der Seite seiner Brüder und Schwestern läge, ich wollte nichts sagen. Gott hat ihn gegeben, er hat ihn genommen! Aber Allmächtiger!

Der Mann stieß einen Schrei aus, so fürchterlich, so grauenerregend, daß Weiber und Kinder der Neger zur Thüre hereinstürzten, und Gabel und Messer unsern Händen entfielen. Wir sahen ihn sprachlos an.

Gott allein weiß — fuhr er fort, und sein Haupt sank auf seine Brust; plötzlich richtete er sich jedoch auf und schüttete ein Glas nach dem andern hinab.

Und wie trug sich dieser schreckliche Diebstahl zu? fragten wir.