Und so dem Wichte Zeit ließ, sich mit der Beute davon zu machen?

Er hat wenigstens gearbeitet, und hat Weib und Kind, und ist dem County und dem Lande nützlich geworden.

Ei der Teufel! fuhr ich dazwischen. Nun wirklich, für einen Friedensrichter haben Sie einen sonderbaren Codex.

Der weder von Boni, noch von Livingston, aber echt patriotisch ist, versetzte der Mann ernst, auf die Stirne deutend.

Ich sah ihn mit aufgerissenen Augen an; aber er mich auch. So unrecht hat er im Grunde nicht. Worin bestünde auch der Unterschied zwischen einem Louisianer oder Virginier, und einem irischen oder englischen Aristokraten? Bei uns ist jedoch noch nicht viel Gefahr vorhanden. Echt vornehme Reiseunternehmungen gedeihen nun einmal nicht; mich wenigstens hätte mein Versuch bei einem Haare dreitausend Dollars gekostet. So, wie die Sachen standen, waren sie jedoch gerettet: die Gelder noch in den Händen der Mst. G—s, die wahrscheinlich in diesem Punkte wie Squire Turnips dachten. Ich übergab dem Manne die nöthigen Vollmachten und Papiere, wünschte ihm eine gute Nacht, und wir schüttelten einander herzlich die Hände. Der Morgen graute bereits herauf, als wir das Dampfschiff zum zweitenmale verließen, um eine Carosse zu besteigen, die zwar schrecklich aus der Mode war, uns aber rasch fortbrachte. Eben hatte ich mich wieder dem lieblichen Morpheus in die Arme geworfen, als eine sanfte Stimme nicht zehn Schritte von uns rief: Les voilà! Ich blickte auf, rieb mir die Augen, — es war Louise, die jüngere Tochter des Creolen, die nun vor der Veranda stand und uns willkommen hieß. Welche von unsern lieben nordischen Evatöchtern würde wohl dahin zu bringen gewesen sein, des Papa willen um sechs Uhr ihr jungfräuliches Lager zu verlassen, und für uns schwarzen Kaffee bereit zu halten, damit die bösen Ausdünstungen nicht unsern Appetit verderben? Monsieur Menou schien jedoch in der hingebenden Aufopferung seines Töchterleins gar nichts Außerordentliches zu finden, und zögerte nicht, Erkundigung einzuziehen, ob die Leute bereits ihr Frühstück im Leibe und den Pflug und das Grabscheit in der Hand hätten. Auch über diesen Punkt wußte Louise Auskunft. Zugleich erwies es sich, daß sie in den vier und zwanzig Stunden ihres Daheimseins sich ziemlich tief in die Verhältnisse ihrer schwarzen Liege-Subjekte einstudirt habe. Tom hatte sich nämlich einen Splitter in den Fuß gerannt, Pompey hatte Augenweh, er schielte stark nach Sarah, und Curgy hatte eine neue Eroberung am Cato eines Nachbarn gemacht, — Alles Dinge, die zwar für Menou und Louisen sehr interessant sein mochten, mich aber sanft zum Gähnen brachten. So sah ich mich denn unterdessen im Speisesaale um, dessen Ameublement mir einen Vorgeschmack der hier existirenden Civilisirung geben sollte. Die Matten waren das Neueste, und sehr elegant; aber das sideboard war schrecklich aus der Mode. Tische, Sesseln und Sopha französisch, statt amerikanisch. An den Wänden hingen ein paar Kupferstiche; nicht die Schlacht von New-Orleans, oder die glänzenden Siege Perry's und Bainbridge's über die Britten auf den Champlain- und Erie-Seen; nein, ein paar Curiositäten aus Louis-Quinze und Seize Zeiten. Ueberhaupt hatte das Ganze einen ziemlich starken, oder vielmehr matten Beigeschmack vom ci-devant Franzosenthum, nicht dem republikanischen, oder kaiserlichen, oder restaurirt-jesuitischen, nein, dem verlorenen, verdorbenen alt-royalistischen.

Ja, die wahre comfortable Art zu leben und zu sein findet man nur beim echten Amerikaner oder Engländer, vorausgesetzt, er habe Batzen; der Ueberrest ist noch im Barbarenthum versunken: Prunk und Flitter im Schauzimmer, und Schmutz und Fäulniß im Schlafgemach und auf dem Leibe. Es ist eine arge Sache um unsern Stolz und Uebermuth und unser ewiges Kritisiren; aber wir können es nun einmal nicht lassen. Wir schauen so gerade zu und tief; der gute Pabst ist uns bloß ein alter Mann, und ein König ein anderer, wenn er nicht jung ist, und Menschen und Bücher sind vor uns aufgeschlagen, wie unser offenes Land, und wenn wir ja ein bischen spöttisch unsere armen transatlantischen Brüder in Adam durchhecheln, so wissen wir wohl, daß uns von ihnen auch nichts geschenkt wird. Wenn wir so einander in die Haare geriethen, wie würden sich die alten schleimig-schwammigten Legitimaten und ihre Laquaien freuen! — Doch genug; die stündige Relation ist vorüber, und wir erheben uns, um einen Blick auf das Aeußere zu werfen. Nun, das Haus laßt einmal sehen! Es lehnt sich an einen zuckerhutähnlichen Maulwurfshügel, den einzigen, den es für Meilen in der Runde herum geben soll. Gegen Süden, Osten und Westen ist es mit einem dichten Rahmen von Akazien- und Cottonbäumen eingefaßt; nur die Nordseite liegt offen für das Flüstern des Boreas, der bei uns ein wunderlieblicher Gast ist. Ein helles Bächlein (für Louisiana wenigstens) strömt seine Gewässer von der sanften Anhöhe in einen kleinen See, der, würde ein Yankee sagen, 180 Fuß lang, 80 breit, einen Fall von 45 Fuß hat, und so eine herrliche Gelegenheit zu Maschinenwesen darbietet, wenigstens zu einer Gerberei, ein sicheres Antidote gegen die Cholera. Wir hoffen, der Czar wird uns mit seinem Cadeau verschonen; wir sind ja seine besten Freunde, sagte die letzte Präsidentenbotschaft. Ich habe nichts gegen die Freundschaft des Czars, das ist ein feiner, artiger Mann; aber mit seinen stinkenden, loyalen Bojaren, da mag er uns in Ruhe lassen.

Doch, zu Monsieur Menou's Haus zurückzukommen. Es sind eigentlich drei Bauwerke, die, zu verschiedenen Zeiten von Großvater, Vater und Sohn gebaut, nun in eines vereint sind. Die Ursache dieser Vereinigung gereicht dem Herzen des Creolen zur Ehre: — Meine Kinder sollen sich stets erinnern, wie schwer es ihren Großeltern geworden, welche Mühseligkeiten sie zu erdulden hatten, um ihren Nachkommen bequemere Tage zu verschaffen. — »Ja, das sollen sie,« erwiederte eine Stimme hinter uns, gerade als wir vor dem Seechen standen. — Madame Menou, j'ai l'honneuer de vous présenter notre voisin, Monsieur Howard. — »Qui restera chez nous pendant long-tems,« frohlockten die beiden Mädchen. — Ich verbeugte mich pflichtschuldigst vor der Dame, und konnte kaum eine Antwort geben, als die beiden Geschöpfe mich, jede bei einer Hand ergriffen, und mich nolens volens ins Haus und durch ein halbes Dutzend Zickzack-Gänge und Gängchen zogen, um mir mein Zimmer zu zeigen, wobei ich nicht wenig Gefahr lief, mir Stirne und Knochen an den mannigfaltigen Ecken und Windungen zu zerschellen. Glücklich langten wir jedoch in einem achteckigen Gemache an, das sie mir als das wohnlichste bestimmt hatten, indem es unmittelbar über dem Wasser und so stets kühle sei. Und wieder zogen sie mich heraus, und hinunter ging es zu Pa und Ma. Die Ma war eine comfortable, behaglich aussehende, gute Dame, mit einem etwas flachen Gesichte, in dem jedoch ein Ausdruck von Gutmüthigkeit und laisser aller vorherrschend war, bei dem man sich recht wohl, so gleichsam zu Hause fühlte. Sie nahm mich so ganz als alten Bekannten auf, als wäre ich ihr seit Jahren erkohrener Schwiegersohn gewesen: keine Complimente, kein geschraubter Anstand; selbst ihre Gesichtszüge nahmen sich nicht einmal die Mühe, das bei Fremdenempfange gewöhnliche Feiertagskleid anzuziehen. — Doch siehe da! was hat dies zu bedeuten? Eine Dame mit zwei Gentlemen — augenscheinlich sind es Ausländer. Die Olivenfarbe des Einen verräth ihn als einen spanischen Abkömmling, der Andere ist jedoch schwerer zu definiren. Sie kommen von der Veranda herab und schließen sich an uns an, wie Hausgenossen. Sie wurden mir aufgeführt als Signor Silveira und Signor Pablo; die Dame ist die Gattin des Erstern. Eine edle Gestalt, Augen schwarz, Nase römisch, stolz und fein geformt, ein prachtvoller Mund mit herrlichen Reihen von Elfenbeinzähnen, ein Teint, brunett und zart, — das ganze Wesen hat für eine Ausländerin wirklich etwas Anziehendes. Ich habe bisher immer unsere nordischen Mädchen für die schönsten gehalten, selbst die Brittinnen nicht ausgenommen — diese könnte unsern ersten Prachtausgaben die Palme streitig machen. Doch softly — lieber Howard, Don Silveira, scheint es, behält seine Frau gerne für sich, und auch Louise ist ein wenig verstimmt über meine etwas zu republikanischen Blicke. Keine Gefahr! eheliche Galanterien sind mir verhaßt. Freiheit und Eigenthum! ist unser Wahlspruch, und Eheleute sind gegenseitiges Eigenthum. Ich halte mich zur Bouteille, die mir vom Dejeunertische herüberblinkt, an dem wir uns, dem Himmel sei Dank, niederlassen, denn es wird mir ganz curios zu Muthe — squeamish, wie wir in Virginien zu sagen pflegen. Unsere Gäste jedoch sind ganz ernst und solenn, essen wenig, und die steaks waren doch so vortrefflich, und die jungen quails unvergleichlich, und der Chambertin so wahrhaft napoleonisch. Wohl, was den letztern betrifft, so habe ich gar nichts dagegen einzuwenden; bleibt ja uns desto mehr übrig.

Wer sind diese Messieurs mit der Dame? fragte ich meinen Wirth, als sie von der Tafel sich erhoben und den Saal verlassen hatten.

Mexikaner, antwortete Menou; aber wer sie sind, könnte ich Ihnen unmöglich sagen.

Wie, Sie kennen sie nicht? fragte ich.