Santa Vierge! rief Don Pablo; Maledito Gojo, Senor Don Lopez. Und sich aufraffend, stürzte er sich auf den jungen Mann: Maledito Gojo! Nuestro libertador Santa Anna! — »Callate!« rief ihm die heilige Anna zu.

Monsieur Menou hatte sich vorsichtig mit seinen Negern beim ersten Anschein von Gefahr zu Boden geworfen; der junge Mexikaner hingegen, weniger erfahren in diesem zuweilen gefährlichen Nacht-Zeitvertreibe, war stehen geblieben, und von dem aufgeschreckten Hirschen über den Haufen gerannt worden. Ich zog den heulenden Senor Pablo von seinem Gefährten, und untersuchte mit Menou, ob er Schaden gelitten. Sein Ueberrock war zerrissen, und aus beiden Schenkeln begann Blut zu fließen; sie waren durch die Geweihe des Hirsches aufgeschlitzt. Glücklicher Weise war die Wunde nicht tief; sonst dürfte ihn sein Fehlschuß theuer zu stehen gekommen sein. Wir hoben ihn auf den Rücken des Pferdes, und traten wieder den Heimweg an.

Es war Mitternacht, als wir mit dem todten Hirschen und dem verwundeten Don vor dem Gitter des Parkes anlangten. Eine weiße Gestalt im Fenster des Mexikaners verkündete, daß seine Gattin seiner noch warte. War es Vorgefühl oder gewöhnliche Weiberangst, sie kam die Stiegen herabgeflogen, und mit dem Ausrufe: Perdito! fiel sie beinahe ohnmächtig vor der Hausthüre nieder.

Um Gotteswillen! rief eine zweite weibliche Stimme, ein Unglück! Ist's Howard? — Es war Louise, die athemlos im Schrecken und im Nachtröckchen aus ihrem Zimmer stürzte.

Mein Gott, es ist nur der Mexikaner! Gott sei Dank! lispelte sie.

Dank, liebe Louise, für Ihre Unbarmherzigkeit; sie macht mich glücklich! Mit diesen Worten schloß ich das Mädchen in meine Arme, und drückte einen Kuß auf ihre Lippen.

Bösewicht! rief sie, ins Haus zurückeilend.

Ich folgte nun dem Zuge in die Zimmer des Mexikaners. Die bleiche Marmorgestalt seines Weibes hing über dem Verwundeten regungs-, bewußtlos. Es kostete Menou Mühe, sie von ihm zu bringen; doch der wohlthätige Creole war schnell. Wo er seine Chirurgie gelernt hat, weiß ich nicht; aber die Sicherheit, mit der er die Wunden ausschnitt, ausbrannte und auswusch, flößte wirklich Vertrauen ein. Sie waren nicht gefährlich, hätten es aber leicht bei der Hitze der Temperatur, der Thermometer schwankte zwischen 85 und 87, und dem Umstande, daß sie von Hirschgeweihen herrührten, werden können. Nach einer halben Stunde trat er vor die bewußtlose Donna Isabelle, und verkündete ihr im zuversichtlichsten Tone, daß ihr Mann in wenigen Tagen wieder hergestellt sein würde. Ich hatte während der Operation eines der Lichter gehalten und konnte nicht umhin, die schöne Gestalt anzuschauen. Als ihr nun Menou die tröstende Nachricht verkündete, richtete sie ihre Augen mit einem so wahrhaft katholischen Blicke zum Himmel, daß ich wahrlich den Heiligen beneidete, dem sie dankte. Als ich das Licht auf den Tisch stellte, fiel mein Auge auf ein herrliches Miniaturgemälde, das sie selbst vorstellte; daneben lagen Briefe an Don Senor Lopez S— A—, Mariscal di Campo; zwei oder drei hatten die Aufschrift: Lieutenant-General. Das war denn der berühmte Heerführer Mexiko's, der zweite Würdige unter dem Generalgesindel dieser sein wollenden Republik. Ich ging gedankenvoll meinem Schlafzimmer zu; allmälig drängte sich Louise aus dem Hintergrunde meiner Phantasie hervor; das liebliche Mädchen hatte denn gewacht, unruhig gewacht; auch sie hatte nicht schlafen können; auf das erste dunkle Gerücht von einem Unglücke hatte ihre beflügelte Furcht den Namen erpreßt, den sie im Herzen trug. Ich hatte während meines ganzen Hierseins gar nicht an Liebe gedacht; Alles war so geschäftig in diesem Hause, so rührig, so beweglich; man hatte gar nicht Zeit, auf sentimentale Gedanken zu kommen, — nun kamen sie aber doch. Es thut einem acht und zwanzigjährigen Hagestolz, der so viele Körbe bekommen hat, daß er damit einen mäßigen Handel treiben könnte, so wohl, sich im Herzen eines siebzehnjährigen Kindes gebettet zu wissen.

Sie konnte mich beim Frühstücke gar nicht ansehen; aber ich sah sie desto mehr an. Wo waren doch meine Augen? Julie war allerdings zu corpulent für meinen goût; doch Louise — sie ist ohne Widerrede ein ganz herrliches Mädchen; schlank, mit einer lieblichen Taille, nicht zu üppig, nicht zu bretern, Milch und Blut im Gesichtchen, aus dem Schalkheit, Wohlwollen und Häuslichkeit blicken, ganz vorzüglich schöne Hände, und ein Gestelle — kurz, ich wurde nachdenkend. Muß doch sehen, wie es zu Hause aussieht, dachte ich.

Wollen Sie mir gefälligst Ihren Wagen bis an den Fluß geben? fragte ich den Creolen.