[25]: Bitte euch, wie versteht ihr dieß?

[26]: Ihr seid ein Narr; wohl will ich euch nehmen, und einen Mann aus einem Deutschen machen.

[27]: Wohl, wohl! so wäre denn dieß in Richtigkeit.

Den folgenden Tag hatte sein Grauschimmel eine trübe Zeit. Er mußte zum ehrwürdigen Caspar Ledermaul, dem Lutherischen Prediger, dereinst gewesenem Mitgliede der löblichen Schneiderzunft zu Trippelswalde im Baireuthischen, der seit seiner Niederlassung die Nadel mit der Kanzel zu vertauschen sich berufen gefühlt, und der nun vielerwähnte Braut und Bräutigam zu vereinen berufen werden sollte.

Zuvor jedoch hatte er noch die Protestation von Jemmy zu hören, die von Sr. Wohlehren Caspar Ledermaul, so wie von keinem der Lutherischen Prediger etwas hören wollte. Toffel jedoch bedeutete ihr trocken, daß sein Vater von einem Lutherischen Minister eingesegnet worden wäre, daß sein Großvater das gleiche Schicksal gehabt habe, und daß er es auch haben wolle, und daß er von dem Segen eines Friedensrichters gerade so viel hielte, als ob er gar nicht ausgesprochen wäre, und daß er sich gar nicht verheirathet gedenken könnte, wenn es nicht von und durch Caspar Ledermaul geschähe. Und Jemmy, obwohl verstockt in allem Uebrigen, gab in diesem Punkte nach; Herr Caspar Ledermaul vereinigte ihre Hände, und die ganze Niederlassung kam, den Brautkuchen zu essen, und alle Welt lebte hoch auf.


Hier nun endigt sich der erste Theil unserer Relation, wobei wir schließlich den Unterschied zu bemerken nicht umhin können, der zwischen unserer wahren, documentirten und einer gewöhnlichen Geschichte obwaltet, maßen eine gewöhnliche Geschichte, Roman oder Novelle genannt, nun enden würde; denn da Christophorus Bärenhäuter am Ziel seiner Wünsche, das heißt mit Jemima O' Dougherty zu Freud und Leid vereinigt ist, wozu sollte eine weitere Ausdehnung dieser ohnehin gedehnten Geschichte wohl dienen? So würde ein gewöhnlicher Geschichtschreiber wohl schließen und schließen müssen; nicht so aber wir, die wir Dokumente vor uns haben, die gerade da wichtig zu werden anfangen, wo jenen der Faden ausgeht. Ihr derohalb günstigen Leser, die ihr Geduld gehabt, mit uns durch diese Quasi-Präliminaria zu gehen, beliebet günstig weiter zu schreiten, in der Hoffnung, daß eure Mühe nicht unvergolten belassen sein wird, wie die Folge darthun mag.

Zweites Capitel.
Wie Christophorus Bärenhäuter zur Meeting gegangen und geritten, und wie Jemima O' Dougherty vom großen Roß geworfen worden.

Christophorus Bärenhäuter hatte sein ein und zwanzigstes Jahr noch nicht völlig zurückgelegt, als sein Honigmond mit der achtzehnjährigen Jemima begann, und zur Ehre Toffels sei es gesagt, er übernahm sich nicht bei der Feier desselben. In Saus und Braus zu leben, war ohnehin seine Art nicht, wie wohl bekannt; er hatte daher auch keine Anwandlung, Mistreß Bärenhäuter in die gute Gesellschaft zu Saratoga einzuführen, und bei dieser Gelegenheit die zwei blauen Strümpfe zu leeren. Nein, Toffel hatte fleißig auf seinem Hofe vor der Hochzeit gehaust, und er fuhr fort, dasselbe auch nach derselben zu thun; seine Aecker gingen ihm über Alles, und diese gehörig zu traktiren, verstand er so gründlich wie irgend einer; ja gründlicher, — Dank sei es der heilsamen Erziehung und den heilsameren Lehren und Ermahnungen und handgreiflichen Argumenten, die ihm alle Tage seines Lebens, und noch am Sterbebette von Zebediah Bärenhäuter waren beigebracht worden. Am ersten März sprach dieser mit zitternder Stimme: »Vergiß nicht, Toffel, auf deinen Zucker, und bohre nicht zu tief in die Ahornbäume; am ersten Mai soll dein Wälschkorn im Grunde, am ersten Juli dein Heu aufgeschobert, am ersten August muß dein Waizen und Roggen in der Scheune, dein Buchwaizen eingesäet sein. Nächstes Jahr, stotterte der arme Sterbende, gedenk an mich und heiße mich etwas, wenn die hessische Fliege nicht in's Getreide kommt. Du kennst das Recept; und gegen den Wurm im Herbst: Camphor und gran — — Hier verließ ihn seine Stimme; nochmals raffte er sich auf, und stieß ein abgebrochenes spirit — aether — heraus, dann schnappte er nach Athem; es erfolgte jedoch eine Pause, und zwar eine lange Pause — der werthe Zebediah Bärenhäuter hatte ausgeathmet. Toffel wischte sich eine Thräne vom Auge, und fing an, statt alles überflüssigen Trauerns, wozu er ohnehin keine Zeit gehabt hätte, die Lehren seines Vaters auf seine eigene Faust hin zu praktiziren, und da er sie oft genug gehört und angewandt gesehen, so gelang ihm dieses auch über alle Maßen, und er war, obgleich noch jung, ein tüchtiger Landwirth geworden, der nicht selten von alten Nachbarn um Rath gefragt wurde.

Was nun Mistreß Bärenhäuter betrifft, so war sie im Grunde kein unebnes Mädchen gewesen; sie konnte daher auch kein gerade schlechtes Weib sein; im Gegentheile. Immer hatte sie jedoch ein Item, und ein böses Item war dieses, eine Espece von irischer Teufelei, die sie nie ruhen ließ, bis der arme Toffel ihren Willen gethan, und, was schlimmer war, wenn der arme Toffel ihn gethan hatte, dann war es wieder nicht recht, daß er ihn gethan; mit einem Worte, daß er keinen eigenen Willen hatte. Es half nichts, wenn er sie anstarrte und zu brummen anfing, falls ihr irisches Züngelchen zu geläufig wurde; sie kehrte sich nicht im geringsten nach ihm, noch an seine weit- und breitschweifigen deutschen Epithete: Verflucht! Schwere Noth! Kreuzsapperment! Teufelsweib! — sie hatte in der That die H—n an. Nach seiner eigenen Weise lebte jedoch unser Paar so ziemlich glücklich; sie trank ihren Thee, er seinen Whisky und saure Milch; sie machte Butter und Käse, er Zäune, schor die Schafe, pflügte und säete, und zog Kälber und Füllen auf, und nach Verlauf von zwölf Monaten band er einen dritten blaugestrickten Strumpf, mit Silberdollars angefüllt, an beiden Enden zu. Ein junger Bärenhäuter hatte seine Aufwartung gleichfalls gemacht, ein glorreiches Specimen der teuto-hibernischen Brut; mit einem Worte, Toffel hatte, Alles zusammengenommen, immer Ursache, sich zu seinem rothen Kolben zu gratuliren. Er liebte sein Weib wahrhaftiglich, und nach seinen Rossen behauptete sie unbezweifelt den ersten Rang in seinem Herzen, seine Dollars erst den zweiten, oder, von seinen Rossen an gerechnet, den dritten.