Caripunasindianer beim Bogenspannen.
Man beachte die Lendenschnur und die Grasbänder an Armen und Beinen.
Die Länge des Bogens beträgt über 2 Meter.
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GRÖSSERES BILD
Wilde Caripunasindianer.
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GRÖSSERES BILD
In diesem Stadium der Zubereitung der Eingeborenenfarinha enthalten die Kuchen etwas Blausäure und sind folglich giftig. Man entfernt das Gift, indem man den Teig unter Zusatz von Wasser in einen eigenartigen Faserbeutel einfüllt, der beim Ziehen an beiden Enden wie eine Presse wirkt und so Wasser und Gift ausscheidet. Dies wird mehrere Male wiederholt, ehe man das halbgetrocknete, gelblich weiße Mehl in einen Tiegel oder offenen irdenen Topf schüttet. Dann wird der Inhalt mit einem Stock über dem Feuer umgerührt, bis er eine gelbbraune Farbe annimmt und nun zur Nahrung tauglich ist. Fast alle Indianer führen diese „Farinha“, in Blätter eingewickelt, auf Jagd- oder Kriegszügen bei sich. Ihr Nahrungswert ist jedoch sehr gering, sie treibt den Magen auf und macht für Bleichsucht und die Beri-Beri-Krankheit empfänglich.
Mein Boy „Washington“ wußte einige englische Worte, und mit seiner Hilfe versuchte ich, nachdem die Geschenke verteilt waren, ein einsilbiges Gespräch zu führen, um herauszubringen, ob noch andere Indianerstämme in dem umliegenden Gebiet hausten. Fürs erste erfuhr ich nur, daß die Wälder fast unbewohnt waren bis auf einige Caripunasfamilien, die über das weite Gebiet verstreut weiter südlich lebten. Dann kam mir der Gedanke, eine rohe Landkarte auf dem Lehmboden der Lichtung zu skizzieren, aber die Indianer zeigten nur mehrere Male auf eine Stelle, wo etwa Porto Velho liegen konnte, weil sie offenbar der Meinung waren, daß ich dahin reisen wollte. So schien auch dieses Mittel zu versagen. Die Schwierigkeit lag darin, daß ich Auskunft über die Wohnsitze von Stämmen wünschte, die nicht zur Caripunasfamilie gehörten.
Schon wollte ich meine Bemühungen verzweifelt einstellen, als eine vom Mutum-Paraná nach Nordosten gezogene Linie plötzlich lebhafte Zeichen der Verneinung hervorrief. Indem ich diese Spur aufgriff, erfuhr ich schließlich, daß viele „Sonnen“ weit weg in jener Richtung mächtige Krieger lebten, die den Weißen ebenso haßten wie die Caripunasindianer. Dadurch wurde die Ansicht erfahrener Forscher in Velho bestätigt, daß die vom Madeira weit abliegenden Wälder gegen Nordosten zu von den Parintintins bewohnt würden. In der Nähe von Ansiedlungen waren sie nie zu sehen, galten aber für den wildesten Stamm in dem großen amazonischen Waldgebiet. Ich sprach den Namen „Parintintin“ aus, begegnete jedoch nur Blicken völliger Verständnislosigkeit. Entweder war meine Aussprache des Wortes unrichtig oder der Stamm trug bei den Indianern einen andern Namen. Auf spätern Reisen erklärte sich die anscheinende Verständnislosigkeit, da die einheimische Bezeichnung für die wilden Parintintins gänzlich verschieden klingt.
Das Indianerdorf am Mutum-Paraná bestand aus sechs Gemeinschafts-Maloccas. In jedem befanden sich die Herdfeuer dreier Familien, die in verhältnismäßiger Eintracht, aber ohne die leiseste Spur einer Absonderung zu leben scheinen. Das halbdunkle Innere war voll Rauch von den Holzfeuern, die auf dem Lehmboden verglommen. Auf der Lichtung war ein wenig Kassave angebaut.