Als endlich das Licht des Tages durch die Lücken in der Baumwand strömte, war es mir völlig klargeworden, daß Nächte im amazonischen Urwald mehr an Dante als an die 1001 Nächte der arabischen Märchen erinnern. Aber nicht lange darauf kam die Belohnung. Fast schon vor Sonnenaufgang hatte der älteste unserer drei Führer vom letzten Tag uns Speise ins Zelt geschickt. Es war ein unappetitliches Gemengsel aus einer Art Pfeilwurz bereitet, in dem als pièce de résistance Teile eines großen Frosches zu erkennen waren, der bei vielen der amazonischen Indianer als Leckerbissen gilt. Außerdem aber gab es einen Haufen von „Maracajas“, der köstlichen Frucht der Passionsblume. Da ich keinen Argwohn zeigen wollte, vergrub ich heimlich das Pfeilwurzgericht. Heimlich, weil die Kinder durch die Zeltöffnung und unter das Segeltuch hereinguckten. Dann machte ich mich mit übertrieben zur Schau gestelltem Appetit an die Früchte. Aber sie bekamen mir schlecht, und ich mußte später meine Zuflucht zu Chlorodyne nehmen.
Itogapukweib und Kind.
Die Frau des Itogapukhäuptlings.
Drei g’schamige Damen.
(Itogapuks.)
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GRÖSSERES BILD
Die Angehörigen des Stammes waren alle mittelgroß oder auch unter Mittelgröße, hatten aber stark entwickelte Muskeln. Sie scheinen sich fast ausschließlich von Wild, Fischen, Nüssen, Wurzeln und Früchten zu nähren. Nicht weit von den Maloccas waren mit unendlicher Mühe kleine Lichtungen ausgerodet, auf denen sie Bananen, Baumwolle, Yukka, Yamswurzeln und Kassave anbauten. Tag und Nacht lebten sie im Zustand völliger Nacktheit, nur die Frauen trugen eine sehr kleine „Tanga“ (Schürze) aus gewebter Baumwolle oder andern Fasern, die mit dem Saft des Orleanstrauchs (Bixa Orellana) rot gefärbt werden. Sie verfertigen auch Körbe und andere Gegenstände aus Stroh und Weidenzweigen, Hängematten und rohe, irdene Töpfe. Die Haare entfernen sie vom Gesicht und Körper mit zangenähnlichen Muscheln, die man im Schlamm der Igarapés und Waldseen findet.
Die Fischerboote und Kriegskanus werden aus leichten, ausgehöhlten Bäumen oder aus Rinde gemacht und durch die Hitze des Feuers in Form gebracht. Anscheinend besitzen die Parintintins ein natürliches Zeichentalent. Sie verzieren selbst ihre „Taquaras“ oder Pfeile mit Bildern von Vögeln, Reptilien und wilden Tieren. Mit dieser Waffe erlegen sie Großwild so gut wie Fische und Vögel. Ihre schweren Kriegsspeere und Bogen, wie auch sich selber bei ihren barbarischen Orgien, schmücken sie mit Vogelfedern. Alle Krieger tragen dann Kronen und Gürtel aus glänzenden Federn. Einige lassen die Schwänze von Araras über den Rücken herabhängen, andere, auch Weiber zuweilen, haben Bilder dieser Vögel auf Gesicht und Körper eintatauiert. Bei solchen schauerlichen Festlichkeiten tragen die Weiber breite, lebhaft gefärbte Strohtangas, die von den Ellenbogen bis zu den Lenden reichen.