Einer der drei, ein hellfarbiger Junge von etwa fünfzehn Jahren, zeigte aufs leidenschaftlichste, daß er die versöhnliche Haltung seiner Begleiter mißbilligte. Sein Gesicht bot ein Bild barbarischer Wut. Als er sah, daß einer der Indianer den Federschmuck vom Kopf nahm, um ihn der Besatzung anzubieten, machte er alle Bewegungen des Schießens, obwohl er keine Pfeile bei sich hatte, stampfte mit den Füßen und stieß herausfordernde Rufe aus.
Da die beiden andern Geschenke als Gegengabe für den Kopfschmuck verlangten, trat der Kommandant Curt ans Flußufer, warf einen Korb mit Buschmessern ins Wasser und rief den Indianern zu, ihn zu holen. Einige Minuten standen sie still und zögerten. Dann sprang einer ins seichte Wasser, fischte den Korb heraus und verteilte den Inhalt. Als Gegengeschenk legten sie einen Kopfschmuck aus Federn außerhalb der Palisadenumzäunung auf den Boden und bedeuteten der Besatzung, sie sollte ihn holen. Der Kommandant Curt entgegnete aber, daß er das nicht tun würde, weil noch vor wenigen Minuten Pfeile auf das Fort abgeschossen worden waren.
Die Parintintins gebrauchten nun eine schlaue List, um ihn in Sicherheit zu wiegen. Sie deuteten ihm an, noch mehr Geschenke zu bringen und fingen inzwischen an zu tanzen und zu singen, während sie ihre Bogen in die Höhe hoben. Einer hatte den Kopfschmuck an seinen langen Bogen gebunden. Zwei andere zu beiden Seiten von ihm stießen ihren Kriegsruf aus, und während alle vier so tanzten mit dem Rücken gegen das Fort, überwachte ein unbewaffneter Fünfter die Bewegungen der Besatzung.
Der Kommandant verließ das Fort und legte die Geschenke auf dem angegebenen Platz nieder. Die Indianer hörten zu tanzen auf und einer von ihnen überschritt den Fluß, um den Korb mit den Geschenken zu holen. Mittlerweile stürzten jedoch andere Indianer, die sich jenseits des Flusses verborgen gehalten hatten, an den Uferrand und schossen zwei Pfeile ab, die glücklicherweise zu kurz gingen. Curt gab jetzt den Indianern zu verstehen, daß er keine Geschenke mehr austeilen würde, aber der Wilde, der den Fluß überschritten hatte, kam nun näher und erklärte durch Zeichen, daß nicht er die Pfeile abgeschossen hätte.
Vier weitere Indianer hatten inzwischen Mut gefaßt, kamen über den Fluß und traten zu ihrem Kameraden im Tor der Station. Der älteste von ihnen nahm die Federkrone vom Kopf und warf sie dem Offizier zu, der sie auffing und als Gegengabe den Indianern zwei Perlenhalsbänder hinhielt. Sie zogen sich aber, „Embombo!“ rufend, zurück, ein Ausdruck, der offenbar von dem Tupiwort abgeleitet ist, das „Spiel“ bedeutet.
Einer der Indianer erkundigte sich, ob die Weißen den „Caiary“ (Madeira) herauf- oder herabgekommen seien und wie der Name ihrer Heimat wäre. Man antwortete ihm, daß die Besatzung den Fluß heraufgekommen wäre und daß ihre Heimat weit entfernt gegen den Aufgang der Sonne zu läge. Ein anderer fragte, ob einer der jungen Männer der Besatzung der Sohn des Kommandanten wäre! Als das verneint und ihm erklärt wurde, daß die Frauen und Kinder in der Ferne zurückgelassen worden seien, schien er überrascht.
Ein paar Tage später kehrten die Parintintins zurück. Diesmal wurden keine Pfeile abgeschossen. Sie kündigten ihre Ankunft mit Geschrei aus dem Wald an und kamen bis dicht an die Palisaden heran. Auf die Frage, ob sie Hunger hätten, machte einer eine komische Gebärde, indem er die Hand in grotesker Weise auf den leeren Magen legte. So wurden also Speisen herbeigeschafft, und Curt kostete von jedem Gericht ein wenig, damit die Indianer sich überzeugten, daß es nicht vergiftet wäre. Einige Minuten lang wollte keiner näher kommen, trotz ihres Hungers. Dann trat ein junger Wilder in vollem Vertrauen heran, und erhielt persönlich die ersehnte Speise.
Curt versuchte, mit ihm unmittelbar ein Gespräch anzuknüpfen, aber der Indianer kehrte mit den Speisen zu den andern zurück, die außerhalb der Palisaden auf ihn warteten. Nachdem sie gegessen, gesungen und getanzt hatten, verschwanden sie wieder im Walde.
Soweit bekannt ist, war dies das erstemal, daß ein Parintintinindianer irgend etwas friedlich und unmittelbar aus der Hand eines Weißen entgegengenommen hatte. Hiernach kamen sie öfters auf die Station, und während die einen geduldig darauf warteten, in den Hof eingelassen zu werden, versuchten andere mit schweren Holzkeulen die Palisaden zu zerstören. Bei solchen Gelegenheiten wurden die mehr kriegerischen Indianer von der Besatzung verwarnt und nur jenen der Eintritt in die Umfriedigung gestattet, die ihre Waffen draußen gelassen hatten.
Von da an streiften die Parintintins um die Station herum, erhielten Geschenke und schenkten dagegen von ihren eigenen Schmuckstücken. Im Anfang waren sie noch scheu, nach ein paar Wochen aber faßten sie Zutrauen und ließen sich mit Hilfe von Zeichen und Zeichnungen in lange Gespräche mit der Besatzung ein. Es war interessant, welche Mühe sie sich gaben, sich durch Zeichen und Tupiwörter verständlich zu machen. Sahen sie, daß jemand sie nicht verstand, so wiederholten sie die Worte und wußten sich pantomimisch recht geschickt auszudrücken.