Eine viertelstündige Wanderung auf einem Dschungelpfad brachte uns endlich wieder auf eine Lichtung, die der Sonne Zugang verstattete. Sie war ziemlich groß, und auf der einen Seite befanden sich zehn merkwürdiger aussehende Maloccas, als ich sie bisher in den Riesenwäldern dieses geheimnisvollen Landes gefunden hatte. Sie waren aus teilweise geflochtenem Stroh gebaut und ähnelten Bienenkörben mit spitzigen Dächern. Hielt man ihre Größe mit der Anzahl der herumstehenden nackten Gestalten zusammen, so wurde es augenscheinlich, daß jede Hütte für mehrere Familien berechnet war und daß sich das häusliche Leben der Itogapuks mehr oder minder in Gemeinschaft abspielte.

Stärlingsnester.


GRÖSSERES BILD

Der geheimnisvolle „Felsen der Inschriften“ am oberen Parimé.
Die Inschriften sollen aus dem siebenten vorchristlichen Jahrhundert stammen. Die Höhle rechts gewährt fünfzig Reitern Unterkunft.


GRÖSSERES BILD

Feindselige Absichten wurden nicht offenbar, obwohl eine Mischung von Scheu und Mißtrauen wohl zu unterscheiden war. Zuerst näherten sich nur die alten Weiber und Kinder. Als wir aber begannen, Geschenke auszuteilen, nahm das Gedränge um die Häuptlinge herum allmählich zu. Die Neugierde der Wilden war stärker als ihre natürliche Furchtsamkeit und ihr Argwohn, aber ein unrichtiges Benehmen hätte bei der elektrisch geladenen Atmosphäre der ersten Stunden recht gefährlich werden können. Nach einem Mahl, das wir von der Station mitgebracht hatten und an dem der ganze Stamm von fast hundert Leuten teilnahm, ließ die Spannung langsam nach. Später vertilgten die Itogapuks noch große Mengen von Affenfleisch und eines berauschenden Getränks.

Zwei junge Itogapukmädchen von etwa 14 Jahren trieben sich neugierig in meiner Nähe umher und faßten endlich Mut, mich genau in Augenschein zu nehmen. Zuerst betrachteten sie verwundert meine Kleider, hierauf meine Hände unter völligem Stillschweigen. Dadurch nicht befriedigt, rollten sie meine Ärmel auf, spuckten auf meine Arme und rieben sie dann aus aller Kraft mit den Händen! Offenbar erwarteten sie, daß das Weiß abgehen und ich in meiner wahren Farbe dastehen würde. Als aber nichts von dem geschah, dehnten sie ihre Nachforschungen auf meinen Hals unter dem offenen Hemd aus. Doch da ich von dem einmaligen Anspucken mehr als befriedigt war, lehnte ich höflich aber bestimmt weitere wissenschaftliche Untersuchungen ab und suchte ihre Aufmerksamkeit in andere Bahnen zu lenken, indem ich sie dem Ticken meiner Taschenuhr lauschen ließ.

Es ist wohl nicht angängig, die jungen Itogapukmädchen hübsch zu nennen im europäischen Sinn des Wortes, aber für Wilde waren sie keineswegs häßlich. Die blutunterlaufenen Augen verdarben etwas den Eindruck, und ihre Nacktheit machte sich infolge der Gewohnheit, alle überflüssigen Haare vom Körper zu entfernen, noch stärker fühlbar. Mehrere kamen den sagenhaften weißen Indianern näher, als ich es bisher gesehen hatte. Später aber traf ich auf zwei Wilde, ein Kind bei den Ocainas und ein Mädchen eines unbekannten Stammes an der Grenze Ecuadors, deren Haut so weiß war, daß man sie aus der Entfernung von Europäern nicht hätte unterscheiden können. Selbst in der Nähe sahen sie nicht dunkler aus als etwa Italiener.