Eingeborenenboot auf dem unteren Amazonas.
Eingeborenenhausboot.
In diesen Booten leben ganze Familien für Monate.
Ein Gummisammler im Urwald des Amazonas.
Das Ende des Stockes, den der Sammler in der Hand hält, ist in Rohgummi getaucht und langsam gedreht worden. Erhitzt man es dann, so wird der Gummi fest.
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GRÖSSERES BILD
Da der Wettstreit der Nationen hier nicht mitsprach, fehlte es an Initiative, so daß dieser gewaltige Teil der Erdoberfläche unbeachtet und unerforscht blieb. Diese Montaña Grande beginnt an der Baumgrenze des Ostabfalls der Anden und erstreckt sich über etwa 5000 Kilometer des weiten nördlichen oder tropischen Teiles des verlorenen Erdteils bis zu dem schmalen, zivilisierten Küstenstreifen Brasiliens und von den Urwäldern Guyanas bis zum Gran Chaco, nach Norden und Süden eine Entfernung von 3500 Kilometer. Hier und da liegt in diesem weiten, einsamen Gebiet eine winzige Insel der Zivilisation mitten im Meer der Barbarei; hier und da trifft man die Spur eines vereinzelten Kulturpioniers, der fiebergeschüttelt, vom Düster des Dickichts verwirrt, aus den Urwäldern auftaucht — und dennoch ist es immer noch Terra incognita und die Wohnstätte unbekannter Menschenrassen.
Die Forscher, Händler und Mischlinge, die vom Labyrinth der schiffbaren Flüsse aus als Kautschuksammler in die Urwälder eindrangen, haben alle irgend etwas für die Welt draußen Wertvolles entdeckt: Gold, Silber, kostbare Steine, Hölzer, neue medizinische Essenzen und Drogen, einzigartige Sammelgegenstände, Überbleibsel ausgestorbener Rassen und Tiere, offene „Campos“ und zur Viehzucht geeignete Grassteppen, Kautschukarten und Harze, Inlandseen, merkwürdige Eingeborene und einen Boden von wunderbarer Fruchtbarkeit, dessen Vegetationsüppigkeit nicht zu überbieten ist. Es ist daher leicht zu verstehen, daß die Länder, innerhalb deren ungefähr festgelegten Grenzen dieses ungeheure Gebiet sich dem Namen nach befindet, von Zeit zu Zeit den Forschern der zivilisierten Welt in weitgehendstem Maß Unterstützung versprachen und alles mögliche taten, sie zur Erforschung und Erschließung zu veranlassen. Von 1843 bis 1910 setzte die Regierung von Bolivia Geldbeträge bis zur Höhe von 500000 Dollars für den aus, der als erster auf einem Dampfboot vom Atlantischen Ozean aus Bolivia auf gewissen unerforschten Nebenflüssen des Amazonenstroms erreichen würde. 1911 gewährte die brasilianische Regierung Henry Savage-Landor eine beträchtliche Unterstützung, um ihm die Ausführung seiner Expedition in das unbekannte Waldgebiet von Matto Grosso zu ermöglichen. In einer oder der andern Form haben sich derartige Anregungen seitdem des öftern und in weitgehendem Maße wiederholt.
Der erfolgreiche Bau der Madeira-Mamoré-Eisenbahn, der wunderbarsten und gleichzeitig isoliertesten Urwaldbahn der Welt, hat die Aufmerksamkeit auf die Möglichkeit gelenkt, durch Kleinbahnen die ungeheuern Entfernungen und undurchdringlichen Urwälder dieses toten Gebiets zu überwinden. Zur selben Zeit erhob sich die Frage nach der Schiffbarkeit gewisser unerforschter oder nur teilweise erforschter Flüsse, damit sie unter Umständen als Verkehrswege nutzbar gemacht werden könnten. Diese Erwägungen gebaren eine wahre Flut neuer Fragen: nach dem Vorhandensein und der Feindseligkeit indianischer Stämme an den verschiedenen Orten; in welchem Maß das Klima in den verschiedenen Gebieten gesundheitsschädlich sei; nach den Wirkungen von Sümpfen und periodischen Überschwemmungen; nach den Wachstumsbedingungen des Urwalds, dazwischenliegenden Bergketten und Seen; nach der Möglichkeit, Pflanzungen und Auswanderersiedlungen an den Flüssen und Wegen anzulegen. Keine dieser lebenswichtigen Fragen konnte mit der erforderlichen Genauigkeit befriedigend beantwortet werden, da ein großer Teil des Gebiets niemals durchforscht worden war und seine Eigentümlichkeiten wie auch die der dort hausenden Eingeborenen daher unbekannt geblieben waren.