Die Straßen von Iquitos sind nicht ohne Reiz. Niedrige einstöckige Häuser, deren vorspringende Dächer Schutz gegen die Glut der Sonne gewähren, wechseln mit Ziegelbauten und verputzten Gebäuden einer mehr modernen Architektur. Sehr schlecht ist die Kanalisation der Stadt. Offene Abzugskanäle durchziehen die Straßen, die während der Regenzeit infolge von Schmutz und stagnierenden Wassertümpeln kaum passierbar sind. Trotz dieser beklagenswerten hygienischen Verhältnisse erfreut sich das kleine Städtchen einer elektrischen Beleuchtung! Da dem Verkehr mit der Zivilisation, etwa 2000 Kilometer entfernt an der Küste des Pazifischen Ozeans, fast unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstehen, haben die energischen Einwohner, die erst kürzlich nach einer monatelangen Revolution wieder beruhigt werden konnten, mit Begeisterung die Idee einer Luftverbindung über die Anden aufgegriffen.
Nach einem Aufenthalt von sieben Tagen in Iquitos entdeckte ich eine Barkasse, die dem Señor Ramon gehörte und nach einer Grenzstation fahren sollte, 24 Kilometer den Chimbiri-Yacu flußaufwärts, in die Nähe der winzigen Eingeborenenniederlassung von Vaca Marina. Señor Ramon versprach mir, mich ins Schlepptau zu nehmen, ohne mit echt peruanischer Höflichkeit das geringste dafür annehmen zu wollen. So erwarb ich ein recht hübsches Kanu für eine ebenfalls recht hübsche Summe, kaufte Vorräte, die selbst zu Teuerungspreisen nur schwer zu erhalten waren, und mietete zwei junge und ganz umgänglich aussehende Cocama-Indianer.
Der langsame Kampf gegen die Strömung wäre schrecklich eintönig gewesen, hätte ich nicht von Señor Ramon interessante Auskünfte über die wilden Indianerstämme der Gegend erhalten. Vor mehreren Jahren hatte er am untern Pastazafluß sich um Kautschukkonzessionen umgetan und erzählte mir nun, daß alle die Stämme zwischen dem Westufer des Tigré und dem Ostufer des oberen Santiago zur kannibalischen Huambisanation gehörten, obwohl sie in den wenigen Fällen wirklicher Untersuchungen unter verschiedenen Namen von Unterfamilien bekanntgeworden waren. Die Stämme in den dichten, von den Ufern entfernten Wäldern galten als sehr wild und verräterisch.
Schmuckbemalung der Ocainasweiber.
Die Bemalung wird in Rot, Blau und Schwarz mit weißen Umrissen auf dem matten Bronzegrund der Haut ausgeführt. Die Mieder aus geflochtenem Stroh bedeuten zwar eine Auszeichnung, werden aber hauptsächlich von „Anfängerinnen“ getragen. Die „Wadenstutzen“ bestehen aus klebrigem Kautschuk, Federn, Erde oder Affenhaut.
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GRÖSSERES BILD
Der Schluß des großen Tanzes.
Erst wenn der Tanz vorbei ist, mischen sich die Männer unter die jungen Mädchen.
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Meine Absicht war, vom Endziel der Barkasse aus mit dem Kanu so weit als möglich flußaufwärts vorzustoßen, bis ich mit den Eingeborenen dieser Gegend in Berührung käme. Sie waren als Kopfjäger bekannt und gleichzeitig als Besitzer des Geheimnisses, menschliche Köpfe bis zur Größe einer Orange zu verkleinern, ohne die Gesichtszüge zu zerstören. Ich war mir der großen Schwierigkeiten meines Vorhabens bewußt und zweifelte vom Anfang an an einem glücklichen Gelingen. Aber nichts ist ohne Anstrengung zu erlangen, und die Stämme des Huambisavolkes sind so wenig bekannt, daß selbst ein halber Erfolg schon Erkenntnisse von wissenschaftlichem Wert eintragen mochte. Während ich so überlegte, wußte ich jedoch noch nichts von der bösartigen Natur der betreffenden Stämme noch von der Lage ihrer Dörfer.