Zwergindianer von Matto Grosso mit einem hellfarbigen Caripunasmädchen.

Gruppe von Riesen-Kaschibos oder Vampirindianern.
Der Häuptling trägt einen Kopfschmuck, ist der größte Mann des Stammes und mißt fast 2½ Meter. Die Speere haben eine Länge von über 3 Meter.


GRÖSSERES BILD

Der Ucayali ist ein breiter Fluß mit glasigem, grünlichgrauem Wasser, einer schnellen Strömung und vielen gefährlichen Strudeln zwischen weit auseinanderliegenden, nebelverhüllten, mit niedrigem Gestrüpp bedeckten Ufern. So stark ist die Strömung, daß Barkassen und andere Fahrzeuge bei der Bergfahrt sich stets nach Möglichkeit am dschungelbedeckten Ufer herumdrücken. Hin und wieder trifft man auf Stellen mit frischgrünem Sumpfgras, aus dem weißgefiederte Reiher und rot und schwarze „Soldados“ in Scharen aufsteigen.

Die Sonnenuntergänge auf diesem breiten Fluß können an Großartigkeit nur mit denen auf dem Madeira verglichen werden. Rote und violette Wolkenballen, aus denen feurige Strahlen himmelwärts emporschießen, spiegeln sich in jeder Einzelheit auf der glasigen Oberfläche des Flusses. So lebhaft sind solche Lichteindrücke, daß der Wald sich dagegen in braune und schwarze Töne verwandelt.

Von Zeit zu Zeit fährt man an einem kleinen Kanu vorüber, in dem ein Cocama-Indianer mit erhobener Lanze steht, bereit, den Pirarucúfisch aufzuspießen, wie er in Peru genannt wird. Er ist der größte Süßwasserfisch der Welt und erreicht oft ein Gewicht von über 100 Kilogramm und eine Länge von fast 2 Meter. Das Fleisch wird auf ähnliche Weise gepökelt und eingesalzen wie das des Kabeljaus und bildet für alle Flußanwohner ein wichtiges Nahrungsmittel. Die getrocknete Zunge gleicht einer Feile und wird von den Eingeborenen des Amazonengebiets zum Feilen benutzt. Unter andern Fischen, die von den Indianern gefangen werden, ist der Tucanaré und die Piranha oder Flußhai. Auf einigen der Sandbänke weiter flußabwärts findet sich die amazonische Schildkröte (Podocnemis expansa), eine Abart, die aber meistens von der gewöhnlichen Schildkröte nicht unterschieden wird. Die Indianer verfolgen sie erbarmungslos, nicht nur ihres Fleisches, sondern auch der Eier wegen. Sie ist eins der größten Geschöpfe ihrer Art auf der Welt und bildet für alle Flußanwohner, Europäer wie Eingeborene, ein marktgängiges Nahrungsmittel. In gewissen Flüssen kommt sie noch zu Tausenden vor und liefert neben der Nahrung ihre Schale, die als Gefäß für den Hausgebrauch dient. Die Schildkröten legen ihre Eier in den weichen, heißen Sandbänken ab, sobald sie nach den großen jährlichen Überschwemmungen wieder aus dem Wasser auftauchen. Da die Eingeborenen das genau wissen, liegen sie beständig auf Wache, und kaum ist das Legegeschäft beendigt, reißen sie die Eier aus den Löchern, die von der Schildkröte als Nest gemacht werden. Im Ucayali kommt aber der Flußdelphin häufiger vor als die Schildkröte. Auch Alligatoren gibt es in Menge. Sie werden ihres Fettes wegen getötet, das zu einer merkwürdigen Art Massage bei vielen Leiden, besonders Rheumatismus, gebraucht wird.

In der Umgegend der kleinen Niederlassung von Sarayacu, am Westufer des Ucayali, liegen mehrere Konibosdörfer. Eines von ihnen, am Ufer, ist von halbzivilisierten Indianern bewohnt, die sich als Kanuführer auszeichnen. In andern, weiter ins Land hinein, hausen noch wilde, aber dem Weißen nicht mehr offen feindlich gesinnte Stämme.

Ich verließ die Barkasse mit meinen beiden Cocamaboys, denselben, die mich den Chimbiri-Yacu hinauf begleitet hatten, und mietete ein Kanu von einer alten Missionsstation. Dann ging’s in einen kleinen Fluß, der die Lokalbezeichnung Rio Sarayacu trägt und viele Meilen weit ins Land hineinführt gegen eine niedere Hügelkette zu, über die nicht viel bekannt ist. In der Nähe von Sarayacu zweigt er vom Ucayali ab.