Dies barbarische Verfahren wird vom Blasen auf Muscheln und dem Schlagen auf hohle Bäume mit Stöcken begleitet. Dann befiehlt der Zauberdoktor dem vermeintlichen bösen Geist, das Mädchen zu verlassen und in den Baumstumpf einzufahren, an den sie gebunden ist, während er gleichzeitig die Riemen durchschneidet, die den blutenden Körper aufrecht halten. Die Indianer brechen in ein wildes Geschrei aus, wenn das Mädchen ohnmächtig umfällt, was als gutes Zeichen betrachtet wird. Denn nachdem der Dämon durch die Geißelung ausgetrieben wurde, braucht der neue Geist der Fügsamkeit einige Zeit, ehe er in sein Heim, nun für Lebenszeit, eingeht.
Das unglückliche Opferlamm wird weggetragen, ihre Wunden werden ausgewaschen, und man teilt dem Bräutigam mit, daß seine Braut jetzt vom Bösen geläutert ist. Die Weiber tanzen um den Marterpfahl, um den Zweige aufgehäuft werden, bis der Bräutigam, etwa eine Stunde später, mit einer brennenden Fackel wieder erscheint. Nachdem er eine Ansprache an den Dämon gehalten hat, der seiner Erwählten hatte Übles zufügen wollen, legt er Feuer an die trockenen Zweige und verbrennt so Dämon und Marterpfahl unter Begleitung wilder Tänze, Muschelgeblase, dem Rasseln einer Art von Tamtam und gelegentlichem leisen Schmerzgestöhn des gemarterten Mädchens.
Auf diese grausame Zeremonie folgte ein mehrere Stunden langes Schmausen und Trinken und dann eine richtige Tanzvorstellung, bei der sich die jungen Krieger den Körper mit Messern zerfetzten. Gegen Abend wurden die Mädchen, die sich dem Heiratsalter nähern, auf den Boden gelegt und ihrer Augenbrauen mit einem Stück gespaltenen Rohrs beraubt, worauf man ihnen blauschwarze Linien über die Augen malte. Die ganze Nacht ging das Essen und Trinken weiter. Bei Männern und Weibern ist es üblich, ein starkes Brechmittel einzunehmen und dann zum Mahl zurückzukehren.
Im Charakter der Ungoninos finden sich, im Gegensatz zu den Ocainas und Itogapuks, keinerlei liebenswürdige Züge. Sie sind wild, grausam, verräterisch und in beständigem Streit mit ihren Nachbarn. Ihr Gebiet erstreckt sich vom Tambo und oberen Ucayali zum Madre-de-Dios-Fluß.
Ihre Hütten ähneln den Wohnungen der Chunchos, die auch zu der Kampasfamilie zu gehören scheinen. Sie nähren sich alle hauptsächlich von Fischen, Yukka und Früchten, wozu noch Wild aller Art kommt, das sie in den Wäldern erlegen. Bei der Jagd liegen sie flach auf den Balsas, die in das hohe Ufergras hineingestoßen werden. So schießen sie bequem mit vergifteten Pfeilen das Großwild, das an den Fluß zur Tränke zieht, und mit an dünnen Leinen angebrachten Harpunenpfeilen die großen Fische, die wie der „Paiche“ an die Oberfläche kommen oder ihre Gegenwart durch Luftblasen verraten.
Die Leinen, die aus Därmen gedreht werden, sind an der abnehmbaren Pfeilspitze befestigt. Dringt der Pfeil ein, so löst sich die mit Widerhaken versehene Spitze und bleibt im Fleisch stecken, während der Schaft abfällt und davonschwimmt. Der Bogen, von dem solche Pfeile abgeschossen werden, wird mit den Füßen bedient. Der Fang wird mit der Leine dicht ans Ufer gezogen, aber oft ist der Fischer genötigt, ins Wasser zu steigen, um die großen, haiähnlichen Fische endgültig zu überwältigen, die in diesen Flüssen leben. Dabei kommt es nicht selten vor, daß Fischfänger von den Kaimans gefressen werden, die sich in der Sonne rösten oder wie halbuntergegangene Baumstämme faul von der Strömung treiben lassen.
Die Alten und Gebrechlichen werden bei diesem Stamm auf ihre eigene Bitte lebendig begraben. Ein tiefes Loch wird in die Erde gegraben, und nach einem letzten Mahl, an dem der ganze Stamm teilnimmt, hilft man dem Opfer in die Grube. Der Unglückliche bleibt, mit dem Gesicht gegen das Dorf zu, stehen, während die Erde langsam aufgefüllt wird. Die Tiefe ist so bemessen, daß die Augen noch über dem gewachsenen Boden bleiben. Nach dem Tod wird dann der Kopf mit einem kleinen Erdhügel überdeckt.
Die Ungoninos kauen Koka, rauchen Tabak, den sie in die Außendecken von Blättern wie Zigaretten einrollen, und trinken große Mengen eines höchst berauschenden Getränks aus gegorenem Fruchtsaft. Viele ihrer grausamen Zeremonien vollziehen sich, während sie unter dessen Einfluß stehen. Die jungen Mädchen werden so vor der barbarischen Heiratszeremonie gewöhnlich in einen fast besinnungslosen Zustand gebracht. Anscheinend vergessen die guten Leute, daß die lähmenden Wirkungen ihres Gebräus unter solchen Qualen bald wieder verfliegen.
Bei andern Kampasstämmen tragen die Männer lange Kusmas, aber die Ungoninos gehen fast völlig nackt und schmücken sich nur mit Halsketten aus den Zähnen des Alligators, Jaguars, menschlicher Geschöpfe und kleiner Nagetiere. In mancher Hinsicht haben sie mehr Ähnlichkeit mit den Kaschibos als mit der großen Kampasfamilie. Zweifellos sind sie ein recht gemischter Stamm.
Die untere peruanische Montaña könnte man auch das Land der Morgennebel nennen. Weiße Nebelballen ziehen durch die düstern Baumwölbungen und hängen bis lange nach Sonnenaufgang um die Uferbänke. Fast das ganze Jahr hindurch treten furchtbare tropische Gewitter auf, aber das Klima ist nicht so ungesund wie das vieler anderer amazonischer Flußtäler. Weiter östlich jedoch, in den dichten tropischen Dschungeln an den Flüssen Madre-de-Dios und Beni, gibt es buchstäblich Täler des Todes, wie das Tal Mapiri, wo seltsame malariaähnliche Fieber dermaßen herrschen, daß kein Europäer hinkommen kann, ohne ihnen fast augenblicklich zu verfallen. Die Ursache ist noch ebenso unbekannt wie die Art der Fieber selbst.