Du, dem ein weiser Gebrauch der Jugend, welche dich schmückte,
Das Ziel der glücklichsten Greise verhieß;
Der, würden Jahre verdient, sie durch sein Herze verdiente,
O Wille! Redliche weinen um dich!
Du stirbst, von Freunden beklagt, die mit unrühmlichen Thränen
Noch nie die Gabe des Mitleids entehrt.
Sie haben niemals geweint, als vor dem Grabe der Edlen,
Und von dem Reize der Tugend bewegt.
Aus allen klaget Ein Herz. So klagen zärtliche Brüder
Des jüngsten rühmlichen Bruders Verlust;
Sie sehn ihn blühend im Sarg, und rufen ängstlich: Ach Bruder!
Und Thränen reden das Uebrige fort.
Du stirbst, von Freunden verehrt, die selbst den Größten nicht ehren,
Wenn ohne Tugend der Purpur ihn schmückt.
O! Wille, seliger Freund! in welcher glücklichen Gegend,
In welchem Himmel frohlocket dein Geist?
Entrücket in das Gebiet der vielen tausendmal tausend,
Die sich in heiliger Wollust erfreun,
Wenn eine Seele noch mehr, gleich ihnen, glücklich geworden,
Wie viel, o Seliger, fühlest du da!
Dein Geist, der Unschuld geweiht, fand schon im sterblichen Leibe,
Schon hier in Freundschaft und Liebe sein Glück;
Und nun, vom Fleische getrennt, sieht er im göttlichen Lichte
Den Reiz der Tugend, und kennet sie ganz.
Er findt die Stimme bewährt, die hier im Herzen ihm sagte:
»Sey weis und gütig! Gott schuf dich dazu.
Du lebst, mit Freyheit begabt, hier in dem Lande der Prüfung,
Und Ewigkeiten erwarten dich dort.«
Er findt die Stimme bewährt, jauchzt himmlisch, daß er ihr folgte,
Da jauchzen Schaaren der Himmel mit ihm;
Er kömmt, geleitet durch sie, zum Thron des göttlichen Mittlers,
Fällt dreymal nieder, und betet ihn an.
Hier, hier verliert sich sein Blick im Glanz der Herrlichkeit Gottes;
Der Liebe Wunder eröffnen sich ihm.
So steht ein Jüngling erstaunt, dem, blind vom Leibe der Mutter,
Der Arzt die Binde vom Angesicht zieht.
Er sieht die Wunder der Welt mit starren Augen, und zittert.
Wo bin ich? ruft er, und zittert noch mehr.
Er sah die Sonne noch nicht; doch nun verläßt sie die Wolke,
Und unbeweglich bewundert er sie.