Bet oft in Einfalt deiner Seelen;
Gott sieht aufs Herz, Gott ist ein Geist.
Wie können dir die Worte fehlen,
Wofern dein Herz dich beten heißt?
Nicht Töne sinds, die Gott gefallen,
Nicht Worte, die die Kunst gebeut.
Gott ist kein Mensch. Ein gläubig Lallen,
Das ist vor ihm Beredsamkeit.
Wer das, was uns zum Frieden dienet,
Im Glauben sucht, der ehret Gott.
Wer das zu bitten sich erkühnet,
Was er nicht wünscht, entehret Gott.
Wer täglich Gott die Treue schwöret,
Und dann vergißt, was er beschwur;
Und klagt, daß Gott ihn nicht erhöret,
Der spottet seines Schöpfers nur.
Bet oft zu Gott, und schmeck in Freuden,
Wie freundlich er, dein Vater, ist.
Bet oft zu Gott, und fühl in Leiden,
Wie göttlich er das Leid versüßt.
Bet oft, wenn dich Versuchung quälet;
Gott hörts, Gott ists, der Hülfe schafft.
Bet oft, wenn innrer Trost dir fehlet;
Er giebt den Müden Stärk und Kraft.
Bet oft, und heiter im Gemüthe
Schau dich an seinen Wundern satt.
Schau auf den Ernst, schau auf die Güte,
Mit der er dich geleitet hat.
Hier irrtest du in deiner Jugend,
Im Alter dort. Er trug Geduld,
Rief er dich durch Glück und Kreuz zur Tugend;
Erkenn und fühle seine Huld.
Bet oft, und schau mit selgen Blicken
hin in des Ewigen Gezelt,
Und schmeck im gläubigen Entzücken
Die Kräfte der zukünftgen Welt.
Ein Glück von Millionen Jahren,
Welch Glück! Doch ists von jenem Glück,
Das dem der Herr wird offenbaren,
Der ihm hier dient, kein Augenblick.
Bet oft; durchschau mit heilgem Muthe
Die herzliche Barmherzigkeit
Deß, der mit seinem theuren Blute
Die Welt, der Sünder Welt befreyt.
Nie wirst du dieses Werk ergründen;
Nein, es ist eines Gottes That.
Erfreu dich ihrer, rein von Sünden,
Und ehr im Glauben Gottes Rath.
Bet oft; entdeck am stillen Orte
Gott ohne Zagen deinen Schmerz.
Er schließt vom Herzen auf die Worte,
Nicht von den Worten auf das Herz.
Nicht dein gebognes Knie, nicht Thränen,
Nicht Worte, Seufzer, Psalm und Ton,
Nicht dein Gelübd rührt Gott; dein Sehnen,
Dein Glaub an ihn und seinen Sohn.
Bet oft; Gott wohnt an jeder Stäte,
In keiner minder oder mehr.
Denk nicht: Wenn ich mit vielen bete:
So find ich eh bey Gott Gehör.
Gott ist kein Mensch. Ist dein Begehren
Gerecht und gut: so hört ers gern.
Ists nicht gerecht: so gelten Zähren
Der ganzen Welt nichts vor dem Herrn.
Doch säume nicht, in den Gemeinen
Auch öffentlich Gott anzuflehn,
Und seinen Namen mit den Seinen,
Mit deinen Brüdern, zu erhöhn;
Dein Herz voll Andacht zu entdecken,
Wie es dein Mitchrist dir entdeckt,
Und ihn zur Innbrunst zu erwecken,
Wie er zur Innbrunst dich erweckt.
Bist du ein Herr, dem Andre dienen:
So sey ihr Beyspiel, sey es stets,
Und feyre täglich gern mit ihnen
Die selge Stunde des Gebets.
Nie schäme dich des Heils der Seelen,
Die Gottes Hand dir anvertraut.
Kein Knecht des Hauses müsse fehlen;
Er ist ein Christ, und werd erbaut!