Zwar seh ich, wie Gargil sein reiches Gut gebraucht,
Wenn stets sein Speisesaal von zwanzig Schüsseln raucht;
Nie hebt die Tafel an, so zeigen neue Trachten,
Daß ihm die Väter nicht umsonst ihr Geld vermachten.
Wahr ists, Gargil lebt wohl, komm auch um Mitternacht!
Da kömmt kein Gast zu spät, wo stets der Mundkoch wacht.
Dich wird der liebste Wirth mit Speisen überladen,
Mit Gläsern auf dich gehn, und dich mit Weine baden.
Trink dich um den Verstand, du trinkst ihm nie zu viel.
Du taumelst, taumle recht, denn dieses wünscht Gargil;
Er lacht den andern Tag, wenn du die Stirne streichest,
Und krank durch seine Huld, aus seinem Hause schleichest.
So braucht Gargil sein Gut, und legt der Schwelgerey,
Mit welcher ers verpraßt, der Großmuth Namen bey,
Und meynt, er lebe klug, und lebt, und schwelgt bethöret,
Bis sein Palast für Schuld der ganzen Stadt gehöret.
O! denkt der Menschenfreund, Suffen mag Häuser baun,
Und sich, beym Leben schon, durch Stein verewigt schaun;
Was nützt die stolze Wand, als daß von seinem Segen
Die Enkel einst, in ihr, der Wollust sanfter pflegen?
Haut ganze Wälder um, legt theure Gärten an,
Viel habt ihr für die Pracht, nichts für die Welt gethan;
Schmückt Gärten, Haus und Hof mit Bildern und mit Säulen,
Den Künstlern wird die Welt, nicht euch, den Ruhm ertheilen.
Ich will mit meinem Gut, das mir das Glück verliehn,
Mein reinliches Gemach nicht glänzend überziehn;
Es ist bequem genug, mich und den Freund zu fassen;
Der Freund besucht es gern, und wirds nicht gern verlassen.
Den Fremden, und dem Freund sey stets mein Tisch gedeckt.
Wenn ein gesund Gerücht mir und den Gästen schmeckt;
Was soll der Ueberfluß aus Feldern, Wald und Seen,
Dem Tisch und mir zur Last, vor meinen Augen stehen?
Macht mich ein kluger Freund, durch Reden voller Geist,
Bey wenig Speisen satt: so hab ich wohl gespeist,
Und tausche nicht mit dem, der hundert Schüsseln zählet,
Und doch bey jeder klagt, daß ihm der Hunger fehlet.
Die Welt hat Recht genug zu meinem Wohlergehn.
Was ich nicht selbst bedarf, muß ihr zu Dienste stehn.
Für alle schuf der Herr die Güter dieser Erden,
Für alle, die da sind, und noch gebohren werden.
Daß mancher Fromme darbt, manch redlich Herz verdirbt,
Und der, zum Greis versehn, vor Noth als Jüngling stirbt;
Daß mancher Vater ächzt, weil er bey Fleiß und Wachen
Nicht so viel Brodt erschwitzt, die Kinder satt zu machen,
Thut dieses die Natur? Giebt sie nicht reichlich gnug?
Verschwendung, Hoffart, Geiz, List, Eigennutz, Betrug,
Dieß macht den Erdkreis arm. O steinern Herz des Bösen,
Zum Retten hast du Kraft, und willst doch nicht erlösen!
So lange siecht Philet von Weh und Angst beklemmt.
Warum? weil noch bis itzt kein Samariter kömmt.
Er leidet ohne Schuld, und wäre längst genesen,
Wärst du zum Mitleid nicht zu kalt und karg gewesen.
So denkt der Menschenfreund; er denkt nicht nur, er thut,
Er theilt mit Klugheit aus, und freut sich, daß sein Gut
Die Zahl der Frohen mehrt, die Zahl Entblößter mindert,
Und, wenn er längst verwest, noch manches Elend hindert.
Er hilft der Wissenschaft; weil, wenn er die beschützt,
Er auch der Wahrheit hilft, und auch der Tugend nützt,
Und ihrem größten Feind, der Gott und sie entehret,
Dem Sohn der Finsterniß, dem Aberglauben wehret.
Ein Kopf, dem die Natur mehr Geist, als Glück, verliehn,
Ist seiner Achtung werth; er sucht ihn aufzuziehn,
Durch Beyspiel, durch Verstand, durch Großmuth, Hülf und Wachen,
Klug, edelmüthig, treu, groß, und beglückt zu machen.
Was kann er edlers thun, als daß er für die Welt,
Ein nicht von seinem Blut entsproßnes Kind erhält?
Er schenkt ihm Zucht und Kunst, der Vater gab ihm Leben;
Wer hat für diesen Sohn das Meiste hergegeben?
Er setzt das ganze Jahr gewisse Gelder aus.
Für wen? frißt sie vielleicht der Schmeichler und der Schmaus?
Erkauft er sich damit der Dichter Lorberreiser?
O nein! erröthet nur, er baut den Wittwen Häuser,
Wird zarter Waisen Gott, und schätzt sich dann beglückt,
Wenn sie durch seine Hand zum Dienst der Welt geschickt,
Den Zeiten nützlich sind. O! spricht er, dieser Saame
Sey, wenn ich nicht mehr bin, mein Preis und später Name.
So wie der Wuchrer zählt, wenn itzt ein Jahr verläuft,
Wie hoch sein baares Geld sich durch die Zinsen häuft;
So zählt der Menschenfreund mit jedes Tages Ende
Den Wucher seines Guts, das Wohlthun seiner Hände.
Er lacht des eitlen Staats; für das verschmißne Geld,
Wovon Marull ein Haus unnützer Diener hält,
Die ihm im Wege stehn, und ihm und seinen Pferden
Am Müßiggange gleich, und gleich an Geilheit werden;
Für dieß verpraßte Geld weis unser Menschenfreund
Den, der mit Jammer wacht, und auf dem Lager weint,
Aus Liebe zur Natur, bewegt von selgen Pflichten,
Großmüthig zu erfreun, und göttlich aufzurichten.
Zum Prinzen fehlt ihm nichts, als ein gehorchend Land.
Kommt, Völker, gebet ihm den Zepter in die Hand:
Er wird als Antonin das Ruder weislich führen,
Gelinde, wie Trajan, groß, wie August, regieren.
Er hält nicht Glück und Volk für sich allein gemacht,
Sich hält er für die Welt von Gott hervorgebracht;
Ihm will er, als sein Bild, durch wahre Hoheit gleichen,
Durch Liebe sucht er dieß, und wirds durch Lieb erreichen.
Kein Undank schreckt ihn ab, dir noch sein Herz zu weihn.
Versuch es, sey sein Feind, du wirsts nicht lange seyn:
Durch Wohlthun wird er bald Haß und Verfolgung schwächen,
Und wenn du ihn bedrängst, sich nur durch Großmuth rächen.
Wo aber bleibt die Frucht von allem, was er gab?
O Freund! sprich seiner Huld nicht gleich den Nutzen ab;
Der Landmann pflegt im Herbst den Acker feist zu bauen,
Und sein erspartes Korn den Hufen zu vertrauen,
Itzt sieht er keine Frucht, er sieht nach kurzer Zeit
Sein reich gestreutes Korn vergraben und verschneyt,
Und doch verzagt er nicht; nach wenig Frühlingstagen
Zeigt sich sein Feld bereit, im Sommer reich zu tragen.
Das Grüne sproßt hervor, die Saat fängt an zu blühn,
Der Stengel eines Korns, so klein er erstlich schien,
Wird vielfach schon ein Halm; dann trägt in vollen Aehren
Ein einzig Korn oft Brodt, dich Tage zu ernähren.
So zeigt der Wohlthat Frucht sich nicht im Augenblick;
Itzt leget sie den Grund zu eines Waisen Glück.
Dieß scheint nicht viel gethan; was hilft das Glück des einen,
Wenn tausend gegen ihn ihr Unglück noch beweinen?
Doch warte kurze Zeit, der Waise wird ein Mann,
Der durch Verstand und Kunst und Güter dienen kann.
Er hilft, er dient, er nützt, sorgt, wachet und verbessert,
Und mehrt des andern Wohl, so, wie man seins vergrössert.
So keimt aus einem Glück oft ganzer Häuser Heil.
Und ganzer Häuser Wohl wird ganzer Länder Theil:
So nützt des ersten Hand, die dem das Glück gegeben,
In ihm noch oft der Welt nach eines Mannes Leben.
O! wollte doch der Mensch des Menschen Schutzgott seyn:
So wär das meiste Weh noch unbekannte Pein!
Belebte jedes Herz der Geist der Menschenliebe:
So wären Neid und Haß noch ungezeugte Triebe.
Als Glieder schuf uns Gott, als Bürger einer Welt,
In der des einen Hand die Hand des andern hält.
Wir trennen dieses Band, und bleiben fühllos stehen,
Und bauen unser Glück auf andrer Untergehen.
Ein treu und redlich Herz wohnt bey Vernunft in dir;
Allein du denkst, du sprichst, du glaubst nicht so, wie wir:
So siehst du deine Quaal in blinder Eifrer Händen,
Die redend heilig sind, und Gott durch Thaten schänden.
Aus Eifer für den Gott, der Liebe nur gebeut,
Verfolgt und drängt man dich, und stößt aus Heiligkeit
Dich schäumend von sich aus, und suchet durch Verheeren,
Durch Martern des Barbars dich christlich zu bekehren.
Hält nicht noch manches Land, aus nie befohlner Pflicht,
Rechtgläubig vor dem Herrn, ein heilig Blutgericht,
Zum Bau des Christenthums und Ketzern zum Verderben,
Die oft weit seliger, als ihre Henker, sterben?
So lieblos macht der Mensch den Menschen unglücksvoll,
Statt, daß er ihn als Freund mit Sanftmuth tragen soll.
Komm wieder, glücklich Jahr, du goldne Zeit der Alten,
Da Wahrheit, Treu und Recht, und Menschenliebe galten!