Dieß ist des Menschen Herz. Wer hat dieß Herz verheeret?
So kam es nicht, o Gott! aus deiner Hand.
Der Mensch durch eigne Schuld hat seine Würd entehret;
Und beides fiel, sein Herz und sein Verstand.
Doch so verderbt wir sind, so schwach, uns selbst zu heilen;
So steuert Gott doch der Verdorbenheit,
Läßt durch sein heilig Wort uns neue Kraft ertheilen,
Licht der Vernunft, dem Herzen Reinigkeit.
Und du willst dieser Kraft, o Mensch! dich widersetzen?
Sie beut sich an, du aber wehrest ihr?
Und willst des größten Glücks dich selber unwerth schätzen?
Erkenne Gott, noch steht dem Heil bey dir!
[Der Weg des Frommen.]
Wer Gottes Wege geht, nur der hat grossen Frieden,
Er widersteht der bösen Lust;
Er kämpft, und ist des Lohns, den Gott dem Kampf beschieden,
Ist seiner Tugend sich bewußt.
Er merkt auf seinen Gang, geht ihn mit heilgem Muthe,
Wächst an Erkänntniß und an Kraft,
Wird aus der Schwachheit stark, und liebt und schmeckt das Gute,
Das Gott in seiner Seele schafft.
Ihn hat er allezeit vor Augen und im Herzen,
Prüft täglich sich vor seinem Thron,
Bereut der Fehler Zahl, und tilgt der Sünden Schmerzen
Durch Jesum Christum, seinen Sohn.
Getreu in seinem Stand, genießt er Gottes Gaben,
Wehrt seiner Seele Geiz und Neid,
Und ist, wenn Andre gleich viel Weins und Kornes haben,
In Gott bey wenigem erfreut.
Schenkt seine Hand ihm viel: so wird er vielen nützen,
Und, wie sein Gott, gutthätig seyn;
Des Freundes Glück erhöhn, verlaßne Tugend schützen,
Und selbst den Feind in Noth erfreun.
Ihm ist es leichte Last, die Pflichten auszuüben,
Die er dem Nächsten schuldig ist;
Die Liebe gegen Gott heißt ihn die Menschen lieben;
Und durch die Liebe siegt der Christ.