Er kränket nie dein Glück, schützt deinen Ruhm, dein Leben;
Denn er ehrt Gottes Bild in dir.
Er trägt dich mit Geduld, ist willig zum Vergeben;
Denn Gott, denkt er, vergiebt auch mir.
Sein Beyspiel sucht dein Herz im Guten zu bestärken,
Er nimmt an deiner Tugend Theil;
Denn alle sind von Gott gezeugt zu guten Werken,
Und haben Einen Herrn, Ein Heil.
Dieß Heil der Ewigkeit, das hier der Fromme schmecket,
Erhöht sein Glück, stillt seinen Schmerz,
Giebt ihm Geduld und Muth. Kein Tod, der ihn erschrecket!
Im Tode noch freut sich sein Herz.
[Paßionslied.]
Erforsche mich, erfahr mein Herz,
Und sieh, Herr, wie ichs meyne.
Ich denk an deines Leidens Schmerz,
An deine Lieb, und weine.
Dein Kreuz sey mir gebenedeyt!
Welch Wunder der Barmherzigkeit
Hast du der Welt erwiesen!
Wenn hab ich dieß genug bedacht,
Und dich aus aller meiner Macht
Genug dafür gepriesen?
Rath, Kraft, und Friedefürst und Held!
In Fleisch und Blut gekleidet,
Wirst du das Opfer für die Welt,
Und deine Seele leidet.
Dein Freund, der dich verräth, ist nah.
Des Zornes Gottes Stund ist da,
Und Schrecken strömen über.
Du zagst, und fühlst der Höllen Weh:
»Ists möglich, Vater, o so geh
Der Kelch vor mir vorüber!«
Dein Schweiß wird Blut; du ringst und zagst,
Und fällst zur Erden nieder;
Du, Sohn des Höchsten, kämpfst, und wagst
Die erste Bitte wieder.
Du fühlst, von Gott gestärkt im Streit,
Die Schrecken einer Ewigkeit,
Und Strafen sonder Ende.
Auf dich nimmst du der Menschen Schuld,
Und giebst mit göttlicher Geduld
Dich in der Sünder Hände.
Du trägst der Missethäter Lohn,
Und hattest nie gesündigt;
Du, der Gerechte, Gottes Sohn!
So wars vorher verkündigt.
Der Frechen Schaar begehrt dein Blut,
Du duldest, göttlich groß, die Wut,
Um Seelen zu erretten.
Dein Mörder, Jesus, war auch ich;
Denn Gott warf aller Sünd auf dich,
Damit wir Friede hätten.
Erniedrigt bis zur Knechtsgestalt,
Und doch der Größt im Herzen,
Erträgst du Spott, Schmach und Gewalt,
Voll Krankheit und voll Schmerzen.
Wir sahn dich, der Verheissung Ziel;
Doch da war nichts, das uns gefiel,
Und nicht Gestalt noch Schöne.
Vor dir, Herr, unsre Zuversicht,
Verbarg man selbst das Angesicht;
Dich schmähn des Bundes Söhne.
Ein Opfer nach dem ewgen Rath,
Belegt mit unsern Plagen,
Um deines Volkes Missethat
Gemartert und zerschlagen,
Gehst du den Weg zum Kreuzesstamm,
In Unschuld stumm, gleich als ein Lamm,
Das man zur Schlachtbank führet.
Freywillig, als der Helden Held,
Trägst du, aus Liebe für die Welt,
Den Tod, der uns gebühret.