»Sie haben meine Hände mir,
Die Füsse mir durchgraben,
Und grosse Farren sinds, die hier
Mich, Gott! umringet haben.
Ich heul, und meine Hülf ist fern.
Sie spotten mein: Er klags dem Herrn,
Ob dieser ihn befreyte!
Du legst mich in des Todes Staub.
Ich bin kein Mensch, ein Wurm; ein Raub
Der Wut, ein Spott der Leute.
»Ich ruf und du antwortest nie,
Und mich verlassen alle.
In meinem Durste reichen sie
Mir Eßig dar und Galle.
Wie Wachs zerschmelzt in mir mein Herz.
Sie sehn mit Freuden meinen Schmerz,
Die Arbeit meiner Seelen.
Warum verläßt du deinen Knecht?
Mein Gott! mein Gott! ich leid und möcht
All mein Gebeine zählen.«
Du neigst dein Haupt. Es ist vollbracht.
Du stirbst! die Erd erschüttert.
Die Arbeit hab ich dir gemacht.
Herr, meine Seele zittert.
Was ist der Mensch, den du befreyt?
O wär ich doch ganz Dankbarkeit!
Herr, laß mich Gnade finden.
Und deine Liebe dringe mich,
Daß ich dich wieder lieb, und dich
Nie kreuzige mit Sünden!
Welch Warten einer ewgen Pein
Für die, die dich verachten;
Die, solcher Gnade werth zu seyn,
Nach keinem Glauben trachten!
Für die, die dein Verdienst gestehn,
Und dich durch ihre Laster schmähn,
Als einen Sünderdiener!
Wer dich nicht liebt, kömmt ins Gericht.
Wer nicht dein Wort hält, liebt dich nicht;
Ihm bist du kein Versühner.
Du hasts gesagt. Du wirst die Kraft
Zur Heiligung mir schenken.
Dein Blut ists, das mir Trost verschafft,
Wenn mich die Sünden kränken.
Laß mich im Eifer des Gebets,
Laß mich in Lieb und Demuth stets
Vor dir erfunden werden.
Dein Heil sey mir der Schirm in Noth,
Mein Stab im Glück, mein Schild im Tod,
Mein letzter Trost auf Erden!
[Der thätige Glaube.]
Wer Gottes Wort nicht hält, und spricht:
Ich kenne Gott! der trüget;
In solchem ist die Wahrheit nicht,
Die durch den Glauben sieget.
Wer aber sein Wort gläubt und hält,
Der ist von Gott, nicht von der Welt.
Der Glaube, den sein Wort erzeugt,
Muß auch die Liebe zeugen.
Je höher dein Erkenntniß steigt,
Je mehr wird diese steigen.
Der Glaub erleuchtet nicht allein;
Er stärkt das Herz und macht es rein.
Durch Jesum rein von Missethat,
Sind wir nun Gottes Kinder.
Wer solche Hoffnung zu ihm hat,
Der flieht den Rath der Sünder;
Folgt Christi Beyspiel, als ein Christ,
Und reinigt sich, wie Er rein ist.
Alsdann bin ich Gott angenehm,
Wenn ich Gehorsam übe.
Wer die Gebote hält, in dem
Ist wahrlich Gottes Liebe.
Ein täglich thätig Christenthum,
Das ist des Glaubens Frucht und Ruhm.