Der bleibt in Gott, und Gott in ihm,
Wer in der Liebe bleibet.
Die Lieb ists, die die Cherubim,
Gott zu gehorchen, treibet.
Gott ist die Lieb; an seinem Heil
Hat ohne Liebe niemand Theil.

[Warnung vor der Wollust.]

Der Wollust Reiz zu widerstreben,
Dieß, Jugend, liebst du Glück und Leben,
Laß täglich deine Weisheit seyn.
Entflieh der schmeichelnden Begierde;
Sie raubet dir des Herzens Zierde,
Und ihre Freuden werden Pein.

Laß, ihr die Nahrung zu verwehren,
Nie Speis und Trank dein Herz beschweren,
Und sey ein Freund der Nüchternheit.
Versage dir, dich zu besiegen,
Auch öfters ein erlaubt Vergnügen,
Und steure deiner Sinnlichkeit.

Laß nicht dein Auge dir gebieten;
Und sey, die Wollust zu verhüten,
Stets schamhaft gegen deinen Leib.
Entflieh des Witzlings freyen Scherzen,
Und such im Umgang edler Herzen
Dir Beyspiel, Witz, und Zeitvertreib.

Der Mensch, zu Fleiß und Arbeit träge,
Fällt auf des Müßigganges Wege
Leicht in das Netz des Bösewichts.
Der Unschuld Schutzwehr sind Geschäffte.
Entzieh der Wollust ihre Kräfte
Im Schweisse deines Angesichts.

Erwacht ihr Trieb, dich zu bekämpfen;
So wach auch du, ihn früh zu dämpfen,
Eh er die Freyheit dir verwehrt.
Ihn bald in der Geburt ersticken,
Ist leicht; schwer ists, ihn unterdrücken,
Wenn ihn dein Herz zuvor genährt.

Oft kleiden sich des Lasters Triebe
In die Gestalt erlaubter Liebe,
Und du erblickst nicht die Gefahr.
Ein langer Umgang macht dich freyer;
Und oft wird ein verbotnes Feuer
Aus dem, was Anfangs Freundschaft war.

Dein fühlend Herz wird sichs verzeihen;
Es wird des Lasters Ausbruch scheuen,
Indem es seinen Trieb ernährt.
Du wirst dich stark und sicher glauben,
Und kleine Fehler dir erlauben,
Bis deine Tugend sich entehrt.

Doch nein, du sollst sie nicht entehren,
Du sollst dir stets die That verwehren;
Ist drum dein Herz schon tugendhaft?
Ists Sünde nur, die That vollbringen?
Sollst du nicht auch den Trieb bezwingen?
Nicht auch den Wunsch der Leidenschaft?