Du sahst und hörtest schon mein Sehnen,
Und zähltest alle meine Thränen,
Eh ich bereitet war;
Und wogst, eh ich zu seyn begonnte,
Eh ich zu dir noch rufen konnte,
Mir mein bescheiden Theil schon dar.

Du ließt mich Gnade vor dir finden;
Und sahst doch alle meine Sünden
Vorher von Ewigkeit.
O welche Liebe! welch Erbarmen!
Der Herr der Welt sorgt für mich Armen,
Und ist ein Vater, der verzeiht.

Für alle Wunder deiner Treue,
Für alles, dessen ich mich freue,
Lobsinget dir mein Geist.
Er selber ist dein größt Geschenke;
Dein ists, daß ich durch ihn dich denke,
Und dein, daß er dich heute preist.

Daß du mein Leben mir gefristet,
Mit Stärk und Kraft mich ausgerüstet,
Dieß, Vater, dank ich dir;
Daß du mich wunderbar geführet,
Mit deinem Geiste mich regieret,
Dieß alles, Vater, dank ich dir.

Soll ich, o Gott! noch länger leben;
So wirst du, was mir gut ist, geben;
Du giebsts, ich hoff auf dich.
Dir, Gott, befehl ich Leib und Seele.
Der Herr, Herr, dem ich sie befehle,
Der segne und behüte mich!

[Vom Worte Gottes.]

Gott ist mein Hort!
Und auf sein Wort
Soll meine Seele trauen.
Ich wandle hier,
Mein Gott, vor dir
Im Glauben, nicht im Schauen.

Dein Wort ist wahr;
Laß immerdar
Mich seine Kräfte schmecken.
Laß keinen Spott,
O Herr mein Gott,
Mich von dem Glauben schrecken!

Wo hätt ich Licht,
Wofern mich nicht
Dein Wort die Wahrheit lehrte?
Gott, ohne sie
Verstünd ich nie,
Wie ich dich würdig ehrte.

Dein Wort erklärt
Der Seele Werth,
Unsterblichkeit und Leben.
Zur Ewigkeit
Ist diese Zeit
Von dir mir übergeben.