Der Suprintend fing an die Bauern zu erbaun,
Und sprach, so schwierig sie noch schienen,
Doch sehr gelind und fromm mit ihnen.
"Herr Doktor!" fiel ihm drauf der Amtmann in das Wort,
"Wozu soll diese Sanftmut dienen?
Ihr Richter, Schöppen und so fort,
Hört zu! Ich will mein Amt verwalten.
Ihr Ochsen, die ihr alle seid!
Euch Flegeln geb ich den Bescheid,
Ihr sollt den Herrn zu eurem Pfarrn behalten.
Sagts, wollt ihr oder nicht? denn itzt sind wir noch da."
Die Bauern lächelten: "Ach ja, Herr Amtmann, ja!"
Die beiden Hunde
Daß oft die allerbesten Gaben
Die wenigsten Bewundrer haben,
Und daß der größte Teil der Welt
Das Schlechte für das Gute hält;
Dies Übel sieht man alle Tage;
Allein wie wehrt man dieser Pest?
Ich zweifle, daß sich diese Plage
Aus unsrer Welt verdringen läßt.
Ein einzig Mittel ist auf Erden;
Allein es ist unendlich schwer.
Die Narren müßten weise werden,
Und seht, sie werdens nimmermehr.
Nie kennen sie den Wert der Dinge.
Ihr Auge schließt, nicht ihr Verstand;
Sie loben ewig das Geringe,
Weil sie das Gute nie gekannt.
——
Zween Hunde dienten einem Herrn,
Der eine von den beiden Tieren,
Joli, verstund die Kunst, sich lustig aufzuführen,
Und wer ihn sah, vertrug ihn gern.
Er holte die verlornen Dinge,
Und spielte voller Ungestüm.
Man lobte seinen Scherz, belachte seine Sprünge;
Seht, hieß es, alles lebt an ihm!
Oft biß er mitten in dem Streicheln:
So falsch und boshaft war sein Herz;
Gleich fing er wieder an zu schmeicheln:
Dann hieß sein Biß ein feiner Scherz.
Er war verzagt und ungezogen;
Doch ob er gleich zur Unzeit bellt und schrie:
So blieb ihm doch das ganze Haus gewogen:
Er hieß der lustige Joli.
Mit ihm vergnügte sich Lisette,
Er sprang mit ihr zu Tisch und Bette;
Und beide teilten ihre Zeit
In Schlaf, in Scherz und Lustbarkeit;
Sie aber übertraf ihn weit.
Fidel, der andre Hund, war von ganz anderm Wesen.
Zum Witze nicht ersehn, zum Scherze nicht erlesen,
Sehr ernsthaft von Natur; doch wachsam um das Haus,
Ging öfters auf die Jagd mit aus;
War treu und herzhaft in Gefahr,
Und bellte nicht, als wenn es nötig war.
Er stirbt. Man hört ihn kaum erwähnen,
Man trägt ihn ungerühmt hinaus.
Joli stirbt auch. Da fließen Tränen!
Seht, ihn beklagt das ganze Haus.
Die ganze Nachbarschaft bezeiget ihren Schmerz.
So gilt ein bißchen Witz mehr, als ein gutes Herz!
Die beiden Knaben
Ein jüngrer und ein ältrer Bube,
Die der noch frühe Lenz aus der betrübten Stube
Vom Buche zu dem Garten rief,
Vielleicht, weil gleich ihr Informator schlief,
Gerieten beid an eine Grube,
In der der Schnee noch nicht zerlief.
"Ach Bruder", sprach der kleine Bube,
"Was meinst du, ist das Loch wohl tief?
Ich hätte Lust"—"Was? Lust, hineinzuspringen?
Du mußt doch ausgelassen sein.
Versuch es nicht und spring hinein,
Du könntest dich ums Leben bringen.
Wir können uns ja sonst noch wohl erfreun,
Als daß wir uns und unsern Kleidern schaden,
Und kindisch Schnee und Eis durchwaden.
Und kömmst du drauf zum Vater naß hinein:
So hast dus da erst auszubaden."
Doch keine Redekunst nahm unsern Knaben ein.
"Wer wird im Schnee denn gleich ersaufen?"
Und kurz und gut, er sprang hinein,
Und ließ sichs wohl in seiner Grube sein;
Doch kaum war er vor Kälte fortgelaufen:
So sprang der Philosoph so gut wie er hinein.
——