Noch ist von ihm keine Antwort da. Wenn er für die J..sche entscheidet, so bestehe ich durchaus auf der Bedingung, Collegia lesen zu dürfen. Ohne das wird nichts daraus; das versichere ich Sie heilig. Und nun, l. F., verlassen Sie mich nicht mit Ihrer Liebe, Ihrem Rathe und mit Ihrem Beystande. In unserer Freundschaft finde ich einen Trost, der mir jede Schwierigkeiten leichter überwinden, und jeden Kummer ertragen hilft u. s. w.
Dreyzehnter Brief.
S***witz den 12. Aug.
Wenn Sie noch mehr solche schöne Briefe, und solche angenehme Erzählungen nach S**** schreiben, so werden alle meine Freunde anfangen auf mich neidisch zu werden. Wenn Sie nur sehen sollten, mit was für Begierde hier Jedermann Ihre Briefe erwartet, mit wie viel Ungeduld wir uns nach dem Bothen umsehen, der sie uns bringen soll, und wie wenig einer dem andern Zeit lassen will, sie durchzulesen. Sie können glauben, daß ich mir nicht wenig darauf zu Gute thue, daß an mich die Briefe zuerst kommen, und daß ich nicht nur dieses Vergnügen zuerst genieße, sondern es auch alsdann in meiner Macht habe, Gefälligkeiten damit auszutheilen.
In der That, ich würde meine hiesigen Freunde nicht so hoch schätzen, wenn sie das Glück, eine solche Freundin zu besitzen, nicht für beneidenswerth hielten. Meine Mutter insbesondere, die jeder Beweis von der Rechtschaffenheit ihres Sohnes mehr als alles erfreut — (und welcher Beweis könnte stärker seyn, als der, daß er von solchen Freunden ihrer Gewogenheit werth gefunden wird?) meine Mutter ist so sehr von ihren Briefen eingenommen, daß ein Posttag ohne Briefe ihr beynahe schon eben so viel Unruhe macht, als mir selbst. Darf ich es Ihnen wohl erst sagen, daß uns der letzte diese Unruhe gemacht hat? Denn in der That hatten wir Herz genug, drey Tage nach dem Empfang Ihres letzten Briefes schon wieder einen neuen zu erwarten.
Ich habe immer geglaubt, man müsse den Menschen aus den Gegenständen seines Vergnügens kennen lernen. Ich habe Leute gesehen, die in ihren Geschäften vernünftig genug schienen, und die sich doch nach geendigter Arbeit in der elendesten Gesellschaft und durch die abgeschmacktesten Zeitvertreibe erholen konnten. Diese Leute könnte ich nimmermehr zu meinen Freunden machen. Wenn ich aber Jemand, so wie meine Freundin, sich an dem Anblick einer tugendhaften und glücklichen Familie erfreuen sehe; wer durch den Anblick einer zärtlichen und sorgfältigen Mutter, eines gütigen Herrn, liebreicher und gutgearteter Bedienten, kurz eines solchen Hauses, wie Sie mir das Gärtnersche beschreiben, gerührt wird, für dessen Güte bin ich Bürge, und ohne ihn zu kennen, öffnet sich schon mein Herz gegen ihn zu sympathetischen Empfindungen.
Wie gern möchte ich der Rektor von Königsbrück in dem Augenblick gewesen seyn, da Sie ihn in seinem Hause überraschten. Ich habe mich schon oft darüber gefreuet, daß das Schicksal einige unserer Begebenheiten eben so ähnlich gemacht hat, als es unsere Empfindungen sind. Ich weiß, Sie sagten mir einmal, daß Sie von allen Ihren Lehrern wären außerordentlich geliebt worden. Der Besuch in Königsbrück hat mich wieder an dieses Gespräch erinnert. Mein gütiges Schicksal hat mir eben so nachsehende, oder eben so liebreiche Lehrer gegeben. Alle sind meine Freunde gewesen, und haben mich mit einer vorzüglichen Gewogenheit beschenkt. Sie wissen, daß ich jetzt sogar in dem Hause meines Lehrers wohne, der aber noch weit mehr mein Freund ist. —
Von diesem glücklichen Montage, wo Sie vergnügt waren, weil Sie andere vergnügt machten, habe ich Sie mit Freuden wieder zurück an die Stelle begleitet, wo Sie sonst oft von einem andern mehr ungestümen Freunde überfallen wurden, der bey Ihnen alle Mal seine Ruhe und seine Heiterkeit wieder fand, wenn er beydes durch seine eigene Schwäche, oder durch unglückliche Nachrichten von seinen Freunden, verloren hatte.