Den 28. Oktober.

Allemal, wenn ich mich niedersetze, an Sie zu schreiben, ist mein Kopf von Gegenständen, die alle geschrieben seyn wollen, so voll, daß ich über der Wahl endlich den größten Theil davon vergesse, oder mein Brief und die Zeit schon zu Ende ist, wenn ich noch kaum über den ersten Punkt heraus bin. Indem ich alsdann den Brief schließe, und es empfinde, wie wenig ich Ihnen gesagt habe, und wie viel ich Ihnen noch zu sagen hätte; so ärgere ich mich über den elenden Ersatz, den ein kurzer kaum angefangener Brief für den Umgang mit einer solchen Freundin, wie Sie sind, thun soll. Ich thue mit dem Kinde in Weisens Liede den Wunsch:

O wenn ich doch ein Vogel wär,

So schnell und federleicht,

Der über Berg und Thäler hin

Im Augenblicke streicht!

Dann flög’ ich über Land und See,

Durchreiste jeden Ort,

Wär bald — wo denn? Gewiß nirgends, oder doch nirgends öfter, als bey Ihnen. Was für einen kleinen freundschaftlichen Schrecken würde ich Ihnen nicht abjagen, wenn ich, ehe Sie sich es versähen, den gegenüberstehenden Stuhl an Ihrem Fenster einnähme, indem Sie an dem andern sitzen. Ich sehe schon zum Voraus, ich würde kein Wort vorbringen können, ich würde stammeln, und wenn ich meine Stimme wieder hätte, so würden es nur gebrochene Laute seyn, die ich vorbrächte. —