Ich muß hier unsere Erzählerin wieder einen Augenblick unterbrechen, um zu dem so eben Gesagten eine kurze Bemerkung zu machen. Damals, als Setma, oder, wie sie von jetzt an heißt, Gottliebin, dieses niederschrieb, war die Confirmation bei uns noch nicht eingeführt. Durch diese ist ein Ersatz gegeben für das, was Gottliebin bei der Kindertaufe vermißte. Und möchten nur alle unsere Konfirmanden ihrem Rathe folgen, und die Stunden nach der heiligen Handlung nicht mit eiteln Zerstreuungen verderben, unter denen der empfangene Segen wieder verloren geht, sondern vielmehr in der Stille zubringen in der Gegenwart Dessen, der der beste Gesellschafter ist, und aus dessen Nähe man nie leer zurückkommt!

Nun lasse ich unsere Neugetaufte weiter erzählen.

„Am folgenden Tage nahm ich unter tausend Thränen und wiederholten Danksagungen für alle Mutterliebe und Treue von meiner bisherigen Pflegemutter Abschied, und bezog ein Zimmer im herzoglichen Schlosse, wo ich der Aufsicht der Frau Oberhofmeisterin v. Wachenheim, einer gottseligen und verständigen Dame, übergeben ward, welche mich durch Lehre und Beispiel immer weiter zum wahren Christenthum anleitete und förderte. Meine Beschäftigung bestand hauptsächlich im Sticken, welches ich schon in meinem väterlichen Hause erlernt und fleißig geübt hatte.

Nachher schenkte mir die Prinzessin Eberhardine Louise ihre besondere Gnade, und nahm mich mit Genehmigung der Herzogin Mutter in ihre Dienste, in denen ich auch blieb bis an ihren frühen Tod. Sie war von Natur sehr lebhaft, aber von Herzen fromm, und unterhielt sich mit mir meistens über das Wort Gottes und über Herzenserfahrungen. Zuweilen hörte ich von ihr folgende von einer englischen Prinzessin gedichteten Verse:

Ich war so eitel, wild und jung;

Ich lachte, tanzte, spielt’ und sung:

Ich war gesund, mein freies Herz

Wußt’ nichts von Sorge, Müh’ und Schmerz;

In solchen frohen Stunden meinte ich,

Die ganze Welt wär’ nur gemacht für mich.