Wenn man eine Strecke weiter im Thale fortgegangen ist, kommt man an eine Meilensäule und hier nun hat man wieder einen vortrefflichen Anblick. Schräg gegen über erblickt man wieder einen Fels, dessen ganze Gestalt aber von den Hefenklößen abweicht. Er erhebt sich mehr terrassenförmig und spitzig auf der hervorstehenden, waldleeren Seite des Gebirges rechter Hand, und glänzt in verschiedenen bunten Farben, vorzüglich unten; einige junge Fichten schmücken ihn und hart an seinem Fuße rauscht das Schwarzwasser vorbei, welches hier den angefangenen Bogen endigt. Gerade vor sich sieht man jenen großen, auf dem Schneiderfelsen schon wahrgenommenen, kugelförmigen Berg mit seinem Basaltfelsen, bis an die Mitte von Waldung bedeckt; und nun bilden sich zwei Thäler.

Das eine nämlich links hinauf, durch welches ein schäumender Waldbach braußt und ein Weg, nach Steinheidel und andere Waldflecken führt. Rechts entsteht das andere Thal, durch welches das Schwarzwasser an der Breitenbrunner Straße hart dahinfließt. Der Weg geht jetzt über eine Brücke, wo sich jener Bach in das Schwarzwasser stürzt; wir bleiben aber auf dem Wege nach Breitenbrunn.

Unterweges kommen wir wieder an einige solche kolossalische Felsen, wie der oben beschriebene, an die Hefenklöße. Aus des Forstes dunklem Grün steigen sie hart an der Straße auf und flößen Staunen und Bewunderung ein.

Wenn man eine Strecke weiter fortgegangen ist und sich rechts gehalten hat, sieht man, wie sich rechter Hand das Thal erweitert, die Waldung dünner wird und endlich auf der Höhe einige Felder zum Vorschein kommen. Erfreulicher wird diese Wahrnehmung, wenn endlich der Wald nach und nach aufhört und man an einige Häuser[21] kommt, hinter welchen wiederum am Saume des Waldes sich verschiedene Felsen empor heben. Alles wird jetzt freundlicher, man naht sich Breitenbrunn immer mehr, und, auf der Brücke stehend, sieht man links hinunter in ein von dunkler Waldung eingeschlossenes Thal, welches das nun breiter fließende Schwarzwasser durchschneidet und worin das Hammerwerk Breitenhof liegt. Man hört das Getöse des Hammers und der gehenden Treibräder, hört das schauerliche Pfeifen der Blasebälge, die das Wasser hebt; sieht die Sprudel ewiger Funken und die weißlichen Dampfsäulen zum Himmel steigen, sieht das lebendige Fuhrwerk und das Kommen und Gehen der Menschen. – Rechts dehnt sich Breitenbrunn einen allmählig ansteigenden, hohen Berg hinan, oben auf der Höhe des Berges steht erhaben die Kirche; seiner freundlichen Lage nach verdient Breitenbrunn vorzüglich unter die ansehnlichen, hübschen Dörfer des obern Erzgebirges gezählt zu werden.


3.
Der Teufelsstein bei Steinbach.

In den vorhergehenden Schilderungen haben wir uns meistentheils in der untern Region um Johanngeorgenstadt aufgehalten; jetzt wollen wir auch die obere durchstreifen und unsern Weg nach Steinbach richten. Vielleicht lächelt mancher hier, der einige Kenntniß von der dortigen Gegend hat, daß ich den Leser nach Steinbach, ein kleines, von Bergleuten bewohntes Walddorf, führen will, aber nicht dieses will ich ihm, sondern die in dieser Gegend befindlichen Merkwürdigkeiten und unter diesen vorzüglich den Teufelsstein zeigen. Warum man diesen Fels so nennt, weiß ich nicht; vermuthlich gab die Einbildungskraft des gemeinen Mannes, welche immer die Hand des Teufels und nicht Gottes Hand am Außerordentlichen wahrnimmt, einem Felsen diesen Namen, dessen auffallende Gestalt und übrige Lage ich jetzt schildern und zugleich den Eindruck zeichnen will, den der Anblick desselben in der Brust eines jeden gefühlvollen Naturfreundes macht.

Man geht die Eibenstöcker Straße, welche bei einer Zeche, Gotthelf Schaller genannt, vorzüglich vorbei nach dem weiter oben liegenden Walde sich zieht, daß man das schon erwähnte Schwefelwerk dann schräg linker Hand hin nicht weit von sich erblicken kann. Auf diesem Wege gehe man eine ziemliche Strecke immer durch den Wald fort, bis man rechts herüber in kurzen Pausen eine Glocke[22] tönen hört. Nun wende man sich rechts, gehe durch die dünne Waldung und bald wird man auf eine große Blöße[23] kommen, wo sich auf einer kleinen Anhöhe am Saume des Waldes eine hohe Felsenwand zuerst und auffallend darstellt. Man wird wirklich bei dem Anblicke derselben überrascht, ob es gleich nichts seltenes ist, im obern Erzgebirge häufig auf Felsen zu stoßen: aber die Gestalt dieses Felsens verdient, daß man eine Weile sich hier erst durch den Anblick desselben ergötze. –