Es war finster auf der Tiefe. Gott sprach: es werde Licht, und es ward Licht. Das hab ich heute mit meinen Augen gesehen, daß, und wie es Licht ward, ohne eine Sonne zu sehen. Es sondern sich Wasser von den Wassern und bilden eine Veste. – Hier hat der Verfasser Nebel aufsteigen gesehen, welcher das flache Land bedeckt, und sich nach und nach zu Wolken gebildet hat. Damit man das flache Land von den Wässern, Flüssen, Seen, Meeren u. s. w. unterscheiden könnte, läßt er den Schöpfer eine Absonderung gebieten. Die Nebel schwanden, und man sah Trocknes und Erde. – Jetzt sahe er Pflanzen, Gräßer und Bäume auf der Erde – diese mußte der Schöpfer nun schaffen. –

Jetzt gieng die Sonne wirklich auf. Doch du wirst, ohne mich, die Idee sehr leicht weiter ausdehnen können. Dieser Gedanke soll keine Erklärung der Urschrift seyn; sondern ich führe ihn nur der Aehnlichkeit wegen an.


5.
Von Wildenthal über Eibenstock nach Ober- und Unterblauenthal.

Das Hammerwerk Wildenthal liegt nicht übel in einem tiefen Thale, an dem einen Fuße des Auersbergs. Das Herrschaftshaus, hinter welchem sich eine waldleere, grüne Bergseite, mit einem am Saume des Waldes hervor stehenden Hause, erhebt, nimmt sich vorzüglich gut aus. Ueberhaupt herrscht eine auffallende Thätigkeit und Lebhaftigkeit in diesem einsamen, wildromantischen Thale; das Geräusch der Hämmer, des Fuhrwerks, des Wassers, der dazwischen tönende Klang der kleinen Glocke, – und wer zählt all das Geräuschvolle in diesem Thale hier auf? –

Sehr angenehm aber ist vorzüglich von hier aus der Weg nach Eibenstock zu.

Nicht weit von dem Wirthshause geht man über eine Brücke, unter welcher sich ein röthlicher Bach über Granitblöcke schäumend wälzt und in kleinern Gräben dann auf die Räder vertheilt, welche hier in einigen Hütten gehen. Zugleich senkt sich hier das Thal tiefer, so daß man jetzt an der untern Seite eines Berges fortgeht und den Rest des weit hinab sich dehnenden Thales zur Rechten hat. Der Weg zieht sich links an dem hohen Gebirge hin, ist eben und fest, und so über eine Stunde fast lang zu beiden Seiten abwechselnd und gemischt von Buchen und Tannen beschattet. Je weiter man wandert, desto angenehmer wird es; große, bunte Felsenblöcke ragen dicht zwischen den hochstämmigen Fichten, Buchen und Tannen, welche die linke hohe Gebirgsseite bis zum Wege herab beschatten, hervor; von da senkt sich sogleich der dunkle Wald wieder hinab in das Ende des Thals, aus welchem das Gemurmel des Waldbachs dringt. Gebrochene Tannen liegen trauernd hier und da, und durch die Lücken der Waldung sieht man drüben die kahlen, oft von Buchenhölzern und Felsen belebten, übrigen verschiedenen Gebirgsseiten hervorragen, vorzüglich den Abfall des Auersberges. Hier herum wachsen viele stärkende und gesunde Kräuter, deren Duft zur Abendzeit im Sommer den Geruchsinn lebhaft ergötzt.

Ich wanderte diesen Weg einst in einer warmen, mondhellen Sommernacht; aber es war schaurig, der Mond bildete allerlei Gestalten, die tiefste Stille herrschte, nur vom Gewimmer flatternder Eulen unterbrochen, der Bach rauschte unten so einförmig dahin; ich war allein, und damals von düstern Gedanken umlagert. Aber es war dennoch schön, eben dieses schauerliche Wesen schuf mir Genuß! Auf einem hohen Felsenblocke saß ich, mitleidig stahl durch den Raum schwarzer Tannen des Mondes bleicher Strahl sich zu mir herab, mit trübem Blicke sah ich die glückliche Vergangenheit im fliegenden Rosengewande vorüber schweben und trauernd blickten auf mich die geschiedenen Freuden, – als ich auf einmal langsam Tritte daher schallen hörte, ich fuhr empor. – Ein alter Mann gieng vorüber und eilte erschrocken zurück, als er mich gewahrte. Ich lief auf ihn zu und beruhigte ihn. »Ach! mein lieber Herr, – meinte er in seiner Einfalt, – hierum ists auch nicht richtig!« – Ich lächelte für mich und gab blos meine Neugierde zu erkennen, weil es eine vergebliche Mühe ist, alte Leute von dem Glauben an wandelnde Geister zu heilen. Er gieng einen Weg mit mir und erzählte mir folgendes Mährchen:

»Vor vielen hundert Jahren, da hier noch alles menschenleer und wild war, verirrte sich in dieser Thalgegend ein reicher böhmischer Graf, welcher von einem Feste, das ein Reußischer Fürst gab, mit seiner Tochter nach Böhmen zurück kehrte. Er war mit der schönen Tochter von seinem Gefolge abgekommen und hatte sich auf diese Art mit ihr verirrt. Beide waren zu Roß, aber da sie in dieser Wildniß nicht mit den Rossen durchkommen konnten, banden sie dieselben an und giengen um auf einen Weg oder auf ihr Gefolge zu stoßen. – Es war Nacht, Alles dunkel und finster, kein Stern stand am Himmel und so geriethen sie abgemattet, hungrig und durstig an den Ort, wo ich erst saß und wo der große Felsenblock liegt. – Der Graf war ein böser Mann, der seine Unterthanen drückte und quälte, manche Jungfrau, manches Weib schon unglücklich gemacht hatte und stets in Schwelgerei lebte. Er fieng auch jetzt an, zu fluchen und zu toben, als er sich verirrt sah und lästerte den Namen Gottes; aber seine Tochter, ein gutes, frommes Kind, betete zu Gott, daß er sie und ihren Vater aus dieser Wildniß erretten möchte. Den bösen Vater verdroß ihr Gebet, er zog das Schwerdt und gebot ihr unter den gräßlichsten Drohungen, zu schweigen; aber sie betete in ihrem Herzen fort. Endlich wurde es plötzlich hell, wie wenn der Mond scheint, – ein fremder, großer Ritter in schwarzer Rüstung stand vor ihnen und sprach: »Graf! so du mir dein Kind giebst, will ich dich erlösen aus allem Ungemach: ich bin ein Rittersmann, nicht weit von hier liegt meine Burg!« – Und der Graf antwortete: »Wohl will ich dir die Dirne überlassen, so du mich aus der Wildniß geleitest.« Aber das Mädchen zitterte heftig und betete zu Gott. Da sprach der schwarze Ritter: »Ich habe keine Gewalt an ihr, doch du bist reif, grausamer Vater! Deine Zeit ist vorbei, du mußt mit mir von hinnen!« – Ob dieser Worte entbrannte der Graf in seinem Zorne und hob das Schwerdt. Aber der schwarze Ritter grinzte ihn schrecklich an, und, als der Graf auf ihn zustürzte, ergriff er einen großen Felsenblock und schleuderte ihn auf den Grafen. Dieß ist der Block, den man heutiges Tages noch links am Wege sieht, darunter soll nun der böhmische Graf liegen. – Der schwarze Ritter war – der Satan, welcher alsbald mit Gestank und Dampf verschwand. Aber vom Himmel stiegen die heiligen Engel hernieder, trugen die fromme Tochter aus der Wildniß und heim auf ihr Schloß nach Böhmen. Zum Andenken an diese Begebenheit stiftete sie ein Kloster, welches aber im Jahr 1507. von einer Räuberhorde verbrannt und zerstört wurde.« –