Dieses Mährchen hat freilich viel Lücken, aber um der Gegend willen, welche ich schilderte, rücke ich es hier mit ein. – Am Ende dieses schönen Weges, nämlich bey den Eibenstöcker Feldern, wo die Poststraße einen großen, bogigen Umweg macht, hat man die Aussicht theils auf die vor uns liegenden, sich ausbreitenden Fluren, theils auf Berge, Wälder, Felsen und Häuser, welche vermischt in einem Halbrunde sich darstellen.

Man geht nun auf dem Fußsteige fort, welcher sich bei einer Mühle vorbei zieht. Rechts senken sich die Wiesen tiefer hinab bis an den Saum des Waldes und an diesem Saume ragt ein ziemlich hoher, ruinförmiger Fels auf einer kleinen Anhöhe auf, welches einen schönen Anblick gewährt.

Jetzt kommt man durch ein kleines romantisches Wäldchen von Tannen und Laubholz, welches rings herum von Feldern eingeschlossen ist; mehrere Felsentrümmer liegen hier und da, angenehm und vielfach ertönen der Vögel Gesänge und die Liebe scheint hier mit ihren süssen Geheimnissen zu weilen. Mehrere kleine Gräben durchschneiden die nahen Wiesen zur Wässerung, welches, wenn die Sonne das Wasser in Silber verwandelt, herrlich aussieht; und nun weiter vorn kommt man wieder auf die Straße und erblickt Eibenstock.

Eibenstock ist gewissermaßen in einem Halbrund gebaut, auf der einen Seite ziemlich eben, auf der andern aber ziehen sich die Häuser etwas bergab, und steigen zum Theil dann wieder an einem Berge auf. Im Ganzen ein recht schöner Anblick. Uebrigens ist die Gegend um Eibenstock nicht etwa schlecht, aber man findet auch keine besondere merkwürdige Gegenstände welche eine nähere Schilderung verdienten. –

Der Weg von Eibenstock bis Oberblauenthal, ein Eisenhammerwerk an der Mulde, ist auch sehr unterhaltend.

Bis an den Wald vor Oberblauenthal hat man nun wieder allerlei Berge, Wälder und Gefilde vor den Augen, doch in dem Walde selbst herrscht eine angenehme Kühle und Abwechselung, und wenn man eine Strecke darin fortgegangen ist, senkt sich der Weg allmählich einen ziemlichen Berg hinab. – An dem Ausgange der Waldung wird man auf die angenehmste Weise durch den Anblick des Hammerwerks überrascht.

Dieses sieht man vor sich in einem engen Thale, auf dem obern Theile der Gebirgsseiten von Waldung fast überall umgeben; an den Bergen herab und unten breiten sich Felder und Wiesen aus, durch welche sich die Mulde, an ihren Ufern mit Gebüschen geschmückt, hindurch schlängelt. Die gewöhnliche Lebhaftigkeit und all das geschäftige Wesen auf solchen Hammerwerken, das Rauschen mehrerer Bäche, alles dieses erhöht auch hier den schönen Anblick und giebt ihm viel anziehendes. Wenn man den Berg vollends hinunter gestiegen ist, hat man unten wieder eine interessante Ansicht von dem Thale.

Da, wo die Mulde hervorfließt, bildet hinten die schwarze Waldung ein schönes Halbrund, welches sich, je höher es steigt, in lichteres Grün verwandelt. Zur Seite sieht man den steilen Fuß des Berges, von welchem man herab kam, an seinem Ende nimmt man junge Fichtengebüsche und weiß hervor ragende Sandsteine wahr. Weiter hin, der Mulde entgegen, ragt ein großer, kahler, felsiger Berg majestätisch hervor, einzelne hohe Tannen zieren seinen Scheitel, an seinem jähen Fuße breiten sich bebuschte Wiesen aus, durch welche in einem schönen Bogen die Mulde sich windet. Der Anblick dieses blaßroth grauen Berges, ist so auffallend, als schön: aber auch hinter ihm ragen noch in der Nähe einige solche Berge, nur oben mit mehr Waldung, und unten aus der weiten Schlucht schimmert das schöne, herrschaftliche Gebäude des Hammerwerks Unterblauenthal hervor, welches zusammen gewiß ein angenehmer Genuß für das Auge ist. –

Dahin nun richte man seine Schritte selbst und betrete den Weg, welcher durch Erlengebüsche oft hart an dem felsigen Ufer der Mulde sich hin windet.

Unterblauenthal liegt fast noch angenehmer, als Oberblauenthal; freilich kommt es hier auf das Urtheil eines Jeden selbst an, der diese Gegenden durchwanderte und kennt. Von Unterblauenthal, vorzüglich von dem sogenannten Herrnhause aus, hat man die schönste Aussicht durch das ganze lange Thal hinab; ich sage es noch einmal, die schönste, vortrefflichste Aussicht hat man hier. –