Die Mulde fließt hier hart an dem waldigen Fuße des Gebirges linker Hand fort, welches sehr schön in die Augen fällt. Man geht nun über das Wehr und immer den Weg an einem starken Bache fort, welcher von der Mulde abgeleitet ist und die Räder auf dem Blaufarbenwerke treibt. Zu beiden Seiten ist man von Erlen und Haselgebüschen umgeben, lachende Wiesen breiten sich aus, immer steiler und höher werden die Gebirge, tiefer wird das Thal und Alles schöner und freundlicher. – Jetzt sieht man das Blaufarbenwerk, weiße Dampfsäulen steigen empor, eine Menge dichter Holzstöße umschanzt es; die Gebäude sind gut gebaut und das ganze Werk überhaupt schön angelegt, welches Alles in diesem schönen Thale auf die angenehmste Weise sich darstellt. Das Schindlerische Blaufarbenwerk liegt an dem Fuße des Steinbergs, eines sehr hohen, steilen Berges, welchen Waldung und allerlei gestaltete Felsenblöcke bedecken. Es ist sehr angenehm daselbst und man findet vortreffliche Spatziergänge.
Der Weg geht jetzt hinter dem Werke vorbei und steigt ein wenig an, so, daß die ganzen Gebäude tiefer unten liegen. Weiter hin geht jetzt ein Weg den steilen Berg hinan, man kommt auf demselben nach einem kleinen Dorfe Albernhau;[41] der andere Weg geht gerade auf dem Fuße des Gebirges fort, daß man immer noch am waldigen, steilen Ende des gegenüber ragenden Gebirges die Mulde zur Seite hat. Dann kommt man bei dem Floßhause vorbei, wo sich ein Floßgraben[42] anfängt, welcher durch mehrere Thäler fließt und dann in Schlema bei Schneeberg sich endigt. –
Von hier kommt man endlich an die sogenannte Muldenbrücke, welche überbaut ist und hart an einem Felsen anstößt, durch welchen ein tiefer, wagenbreiter Weg gehauen ist, welches sehr schön aussieht; im heißesten Sommer herrscht in diesem Felsenwege die angenehmste Kühle. Hier hat man eine herrliche Aussicht hinab auf das Thal, wo auf der einen Seite durch Wiesen, auf der andern die Mulde an Felsengethürme sich dahin schlängelt, an welcher man öfters Leute mit Angeln sitzen sieht. Einzelne Waldung bedeckt die Berge und weiter unten macht das Thal einen schnellen Bogen, daß es scheint, als endige es sich hier; Tannen und Fichten verhüllen Alles und in das dunkle Grün verschwindet hier die Mulde.
Der durch den Felsen gehauene Weg steigt jetzt einen ziemlichen Berg auf und ist bis zur Hälfte gepflastert; er führt nach dem nicht weit entfernten Dorfe Bockau. –
Diese Wanderung von Sosa aus gewährte mir viel und mannichfaltigen Genuß. Der Uebergang vom Schauerlichen und Wilden zum Freundlichen und Sanften, die immer neuen Abwechselungen, die Ruhe und der Friede in dem reizenden Muldenthale that meinem Herzen so wohl, daß ich mit Petro ausrief: Hier will ich mir Hütten bauen!
7.
Die Gegend um Bockau.
Wenn man von Johanngeorgenstadt nach Bockau geht, kommt man hinter dem einsam im Walde liegenden Jägerhause auch in eine Gegend, welche der Ochsenkopf heißt. Einige nennen das ganze dortige Gebirge so, andere nur eine Gegend desselben. Verschieden sind auch die Meinungen über den Ursprung dieses Namens, die alle hier aufzuzählen nicht nöthig ist; aber die allgemeine, und, wie mir scheint, richtigste Meinung darüber, will ich hier anführen: