Eine starke Viertelstunde hinter dem Jägerhause fand man vor vielen Jahren seitwärts vom Wege eine hölzerne Tafel an eine Buche angenagelt, worauf ein Ochsenkopf gemahlt war. Ein Fleischer trieb hier einen Ochsen; dieser wurde plötzlich scheu, gieng dem Fleischer zu Leibe und spießte ihn auf die Hörner, daß er sterben mußte. Zur Erinnerung an diese Begebenheit ward auf der Stelle, wo man den Fleischer gefunden hatte, jene Tafel aufgerichtet und die ganze Gegend führt seit dieser Zeit den Namen Ochsenkopf. Denn in ältern Büchern findet man diesen nicht.

Dieses ganze Gebirge ist mit hohen Tannen und Buchen bedeckt, ist wild und öde; es giebt viele, vorzüglich warme, Quellen daselbst, und gebrochene Tannen sieht man zerstreut umher liegen. Ueberhaupt wenn starker Wind ist, muß man sich vorsehen, denn Bäume brechen dann links und rechts.

Der Weg geht bergab, ist steil und steinigt, und wird erst am Ende des Gebirges und der Waldung angenehmer. Man sieht dann zur Rechten eine Wiese von Laub- und Nadelholz umzäunt, und vor sich durch das Thor der Waldung die Kirche, mehrere Häuser und Felder des nahen Bockau's, hinter welchen sich oben mehrere waldige Berge herabziehn. Aus den fernen Bergen blickt zwischen schwarzem Walde der untere Theil von Albernhau herüber, welches Alles hier schön angenehm in die Augen fällt. Nun ist man den Berg herab gegangen und nahe vor Bockau; man hat die Aussicht in den romantischen Thalgrund hinter der Kirche, woraus sich ein Bach hervor schlängelt. Dann geht der übrige Weg bis an das erste Haus des Dorfes auf Fels und man sieht, daß die Kunst ihn bereitete.

Bockau ist unter den gebirgischen Dörfern eines der vorzüglichsten und schönsten; es hat fast lauter gute und viel schöne Häuser, zwei Schulen, und die Nahrung seiner Einwohner ist nicht gering. Es liegt in einem flachen Thale; gegen Morgen zieht sich mit Feldern und Aeckern, um welche hier und da Gebüsche stehen, eine Gebirgsseite herab, welche oben mit Wald bekränzt ist. Gegen das Ende des Dorfes bricht sich das Gebirge und bildet mit dem gegenüber ragenden Berge eine große Schlucht, durch welche hinauf die Häuser sich ziehen, welches zusammen sehr schön aussieht. Nach Abend zu, auf der flachen Seite des Thales, in welchem Bockau liegt, erblickt man nichts als Felder, durch welche sich Wege und Steige winden und schräg oben fällt ein gemischter, kleiner Wald mahlerisch in die Augen. Es ist diese Gegend in der That eine der schönsten. O! wäre meine Feder vermögend, alle die Aussichten, alle die abwechselnden Gegenstände zu zeichnen und zu schildern, welche stets neu dem Auge sich darstellen! – Wie schön z. B. nimmt sich Bockau und seine Gegend aus, wenn man auf der Höhe bei Albernhau steht, wie mahlerisch liegt es vor den Blicken des überraschten Wanderers ausgebreitet! –

Durch die erwähnten Felder, welche man mit vielerlei Kräutern und Arzenei-Gewächsen bepflanzt sieht, geht der Weg nach der erwähnten Muldenbrücke, also über Albernhau und Zschorlau nach Schneeberg. Die Gegend bei der Muldenbrücke habe ich schon geschildert, aber es sey mir erlaubt, einen Anblick zu beschreiben, welcher mir auf dem Berge vor Albernhau ward. –

Ein Regen nöthigte mich bei meiner Wanderung, in der überbauten Muldenbrücke zu verweilen und unterdessen las ich die mancherlei Namen und Witzeleien, die mit Kreide und Kohle darin angemahlt waren. Viel Genuß fand ich hier freylich nicht. Als daher der Regen nachgelassen hatte, machte ich mich auf und stieg den vor mir liegenden Berg hinan, wo der Weg nach Albernhau führt. Auf der Höhe blieb ich stehen, um auszuruhen und blickte mich um: o! welch' ein überraschender Anblick entzückte mich! – Da, wo die Bockauer Felder am vorliegenden Walde sich endigten, bildete ein in verklärten Farben spielender Regenbogen ein großes Thor, vor welchem Alles, nach mir zu, in grauen Nebelgewölk gehüllt war: aber das dahinter liegende Bockau und seine angenehme Gegend beleuchteten mit einem ausserordentlichen Lichte die Strahlen der Sonne, daß es hinter finstern Wolken in der herrlichsten Verklärung vor meinen trunkenen Blicken ausgebreitet lag. – Der erhabene, herrliche Anblick ergriff mein Herz, es war mir unmöglich mich davon zu trennen und so stand ich, bis die Strahlen von Phöbus Antlitz die grauen Gewölke zertheilten und Iris wieder zurück in den Himmel kehrte. –

Wahrhaftig, wenn die Alten die Iris, oder den Regenbogen, eine Bothin der Götter nannten, konnten sie kein erhabeneres Meteor wählen, denn man fühlt bei diesem Anblicke die ganze Seeligkeit des Olymps! –

Die Gegend des untern Theiles von Albernhau ist auch sehr romantisch; man sieht am Ende des grasigen Thales aus der dunkeln Waldung mehrere Felsen aufragen, welches dem Auge einen besondern Genuß gewährt.

Wenn man aus dem Walde hinter Albernhau kommt, sieht man tief im Thale erstlich Zschorlau, wie es sich so lang herabdehnt, und überhaupt ist dieses Thal durch allerlei Abwechselungen verschönt; ferner erblickt man die ganze Gegend um Schneeberg und sieht die Spitze des Kirchthurmes hinter der mit Feldern bedeckten Höhe hervor blicken, sieht Griesbach und alle die Berge, Teiche und Wälder und eilt freudig und begierig nach Schneeberg selbst zu.