Wenn man diese Wanderungen bis hierher interessant gefunden hat, wird es den Verfasser nicht reuen auf die kleinsten Gegenstände bisweilen Rücksicht genommen und auch die verborgendsten Schluchten durchwandert zu haben; denn ein Baum, ein Fels oder ein kleines Gebüsch, so unbedeutend diese auch an und für sich selbst seyn mögen, tragen oft im Einzeln viel zur Verschönerung einer Gegend bei. – Auf dieser Wanderung von Johanngeorgenstadt nach Schneeberg nimmt man sehr deutlich den allmähligen Abfall vom minder Gefälligen und Fruchtbaren wahr. Vorzüglich zeichnet sich die Gegend um Schneeberg äußerst angenehm aus, ich zähle sie unter die schönsten des Erzgebirges, und sollte man in den vorigen Wanderungen vielleicht nichts Interessantes gefunden haben, so wird man es in diesen gewiß um so mehr finden. Denn man glaube nicht, daß ich diese Wanderungen aus schriftlichen Nachrichten zu Hause am Schreibepult gemacht und in ein Gewand gehüllt habe, welches Unbekanntschaft mit den erwähnten Gegenden bedecken sollte – Nein! ich habe das obere Erzgebirge selbst durchwandert und was ich erzähle, selbst gesehen. Diese kleine Erinnerung geschieht deswegen: weil ich oft zu warm und zu begeistert sprach, und man dieses in unserm korsarischen Zeitalter leicht für etwas anderes ansehen möchte. –


II.
Schneeberg und die umliegenden nähern und entferntern Gegenden.

Schneeberg verdient unstreitig unter die größern und schönern Städte des Erzgebirges gezählt zu werden; es liegt auf einem ziemlich hohen, breiten Berge, welcher gegen Nord-West sich mit einem größern Gebirge vereinigt, so, daß es scheint, als wenn der Berg ein Ausdrang[43] jenes Gebirges sey. Rings umher dehnen sich in einem Kessel nahe und entfernt mehrere Gebirge und man sieht auf diese Art den Schneeberg[44] in einem runden Thale sich erheben. Diese Gebirge sind theils mit Fluren, Häusern und Zechen, theils mit Laub- und Nadelholz, mit Felsen und Gebüschen bedeckt und geschmückt, und über die ganze Gegend ist ein mildes, freundliches Licht verbreitet. –

Majestätisch hebt sich die schöne, große Kirche über die Stadt empor und in der weitesten Ferne hört man den harmonischen Klang der Thurmglocken. Eine Menge Gärten und Obstbäume umgeben das Ende der Häuser und den grünenden Berg. Auf zwei Seiten ziehen sich die Häuser herab an den Fuß des Berges, nämlich nach dem Schießhause zu auf der einen, und nach Neustädtel und dem Mühlberge zu auf der andern. Man nennt daher diese Häuser, weil sie tief im Grunde liegen, die erste Seite, den Schießhausgrund, die andere, den Mühlgrund, oder auch schlechtweg den Grund. Jedoch auf der letztern Seite vereinigen sich die Häuser so eng mit Neustädtel, daß der Fremde nicht das Ende und den Anfang beider Städte wahrnehmen und auf diese Art Alles für ein Ganzes halten wird.

Das Lyceum in Schneeberg ist von jeher wegen seiner Lehrer und der zweckmäßigen Anstalten, vorzüglich aber wegen des gut eingerichteten Singechors berühmt gewesen, welcher unter der Leitung und rastlosen Thätigkeit des würdigen Herrn Cantor Thomas zu einem der besten gediehen und des Beifalls aller Fremden von jeher gewürdigt worden ist. Hierbei darf ich des großen Konzerts nicht vergessen, welches aller vierzehn Tage auf einem großen, zweckmäßig dazu eingerichteten Saale des Rathhauses gegeben wird und wo man die größten Stücke meisterhaft von einem stark besetzten Orchester aufführen hört. Ferner verdient hier das, von dem ehemaligen Diakonus, jetzigen Superintendent in Gera, Hrn. M. Hahn gestiftete Bürgermuseum einer schuldigen Erwähnung. Für einem geringen Beitrag können alle Bürger, die ihren Geist bilden und ihren Verstand aufklären wollen, Antheil an Vorlesungen über Naturgeschichte, Veredlung und Bildung der Künste und Professionen, Menschengröße und Menschenschwäche, kurz über alles Nützliche, nehmen. Das Museum besitzt eine schöne Bibliothek und Naturaliensammlung, Modelle u. dergl. und ist weit und breit her beschenkt worden.[45] Freilich findet das Gute immer Widerstand und der verdienstvolle Herr M. Hahn mußte manche Kränkung erfahren. – –

In Schneeberg überhaupt ist es sehr lebhaft, es ist an und für sich sehr volkreich und überdieß liegt immer eine beträchtliche Garnison daselbst; sowohl der Schnitt- als auch der Materialhandel ist stark, am stärksten aber wohl ist der Spitzenhandel; denn alle Spitzen, welche in der umliegenden Gegend Meilenweit gefertigt werden, werden in Schneeberg von den vorzüglichsten Handlungshäusern aufgekauft und nach Leipzig, Frankfurt, Hamburg u. s. w. verführt. Wie viel hundert Menschen ihr Brod dadurch haben, ist bekannt. – Auch giebt es in Schneeberg eine Buchhandlung und zwei Buchdruckereien, welche viel für auswärtige Buchhandlungen drucken.