Was übrigens den Bergbau betrifft, so ist es meist Kobalt, was man findet und finden will; man lese darüber in Merkels Erdbeschr. von Sachsen. –

Auf dem Wege von Zschorlau hat man unstreitig den schönsten Anblick von Schneeberg und der umliegenden Gegend. Zur Linken neben sich erstlich breitet sich eine mit fruchtbaren Feldern und Aeckern bedeckte Thalebene aus, durch deren Mitte hinab sie sich bis an den erwähnten Grund Neustädtel zieht. An dem obersten Ende sieht man die Kirche mit ihrem spitzigen Thurme, neben welcher der Todtenacker mit seiner weißen Mauer herauf blinkt. Auf dem hinter Neustädtel nach Mittag zu, sich herum beugenden Gebirge sieht man mehrere Zechen, worunter sich vorzüglich die thurmförmigen Göpelgebäude auffallend auszeichnen. Weiter hinten bricht sich dieses Gebirge und bildet so mit dem gegenüber steil aufragenden einen Thaleingang, woraus ein großer Teich daher schimmert; hier geht der Weg nach dem Dorfe Lindenau. Die Höhe des gegenüber liegenden Gebirges bedeckt ein großer Wald, welcher in der dasigen Gegend vorzugsweise der Forst genannt wird. Dieses Gebirge dehnt sich nun seitwärts Neustädtel in einem kleinen Bogen nach Schneeberg zu, wo es sich dann nach Griesbach lenkt. Bei Neustädtel nimmt sich die Sommerwohnung des Hrn. Kammerherrn und Oberforstmeisters von Lindenau sehr schön aus nebst dem umgebenden Garten; aber vorzüglich schön präsentirt sich bei Schneeberg der Richter'sche Garten, welcher in der ganzen Gegend berühmt ist und von dem verstorbenen Kaufmann Richter in Schneeberg in der theuern Zeit auf dieser Bergseite angelegt und eine Menge armer Menschen, welche daran arbeiteten, dem Hungertode entrissen wurde. Gesegnet sei das Andenken dieses wohlthätigen Mannes! – Nun richtet man seine Blicke auf Schneeberg, wie sich die Kirche so majestätisch erhebt, wie der schöne Thurm des Rathhauses so frei über die Häuser aufsteigt und die schiefernen Dächer so silbern daher schimmern, wie statt einer Mauer die schönsten Obstgärten die Stadt umzingeln. Vorzüglich fällt aber das Scheider'sche Haus, ein wahres Palais, so wie das große Malzhaus und das Bergmagazin-Gebäude lebhaft in die Augen. Ueberall fast, wohin man blickt, sieht man Häuser und Menschen.

Hinter Schneeberg, gegen Abend zu, sieht man das hart vor der Stadt ansteigende Dorf Griesbach mit seinen Fluren, Gärten und Bäumen; auf dem höchsten Puncte liegt die Kirche, hinter welcher sich weiterhin ein dunkler Fichtenwald herumzieht. Daneben dehnt sich der Keilberg sanft herab, man erblickt die Lindenallee bei dem Schießhause, das romantische Gerichtswäldchen und das tiefer liegende Hammerholz, einen angenehmen Wald; weiter vorn den Wolfsberg, welcher sich gegen Schlema hinab dehnt, dessen obersten Theil, nämlich einige Häuser von Ober-Schlema, man hier auch erblickt. Doch über Alles dieses werde ich mich noch weiter verbreiten. –

Der Standpunct selbst, von wo aus man diese Aussicht hat, ist auf der Zschorlauer Höhe, nämlich auf dem Gebirge, welches zwischen Schneeberg und Zschorlau sich erhebt. Weiter vorn, der Stadt gegenüber, wird dieses Gebirge weit höher und steiler, ist von vermischter Waldung beschattet und wird der Kleesberg genannt; auf dem höchsten Gipfel dieses Kleesberges ragen bei einem Felsen zwei hohe, alte Tannen auf, daher nennt man den Berg oft auch den Zweitannenberg. Von ihm weiter unten ein mehreres. –

So angenehm, so herrlich ist hier der Anblick dieser Gegend, so abwechselnd und mannichfaltig liegen hier die Gegenstände vor unsern Augen, liebe Leser! Aber sehr angenehm ist der Anblick von Schneeberg auch, wenn man in Schlema, also auf der Morgenseite sich befindet. Am Ausgange des schönen Thales, worin Schlema liegt, hebt sich der Schneeberg hoch empor und auf seinem Scheitel breitet sich die Stadt in der Länge aus; sehr erhaben ist hier wiederum der Anblick der hohen Kirche, welche man von hier aus sehr weit wahrnehmen kann.

Auf dem Schneeberge selbst hat man die vortrefflichsten Aussichten. Gegen Mittag hin sieht man in der sanften Ebene des Thales Neustädtel hingegossen, hinter welchem das Gebirge[46] mit seinen Zechen aufsteigt; allerlei Wege schlängeln sich durch die Gefilde und das bebuschte Gebirge bei der Bartholomäi-Schenke fällt sehr angenehm in die Augen. Vor sich sieht man den sogenannten Grund, worin die größte Lebhaftigkeit herrscht; Halden flimmern zwischen den Häusern und Feldern und hie und da sieht man an- oder ausfahrende Bergleute.

Geht man gegen Morgen zu, so hat man den weitansteigenden Kleesberg gegenüber und vor sich ein tiefes, schönes Thal, woraus das Getöse des Wassers und der Pochwerke dringt. Und richtet man seinen Weg endlich gerade nach Morgen hin, so wird man durch den Anblick des herrlichen Thals, wo sich Schlema hinab dehnt, und des Dorfes selbst überrascht. Rechts am Eingange des Thales schmückt eine gemischte Waldung die obere Gebirgsseite, an welcher hie und da Häuser und Bauerngüther liegen; weiter hin wird das Gebirge flacher und fruchtbare Felder breiten sich aus, an deren unterm Theile der von Gebüschen umgrünte Floßgraben sich daher schlängelt. Links am Eingange zieht sich der Wolfsberg eine Strecke hinab und bricht sich dann zurück, wodurch mit der gegenüber aufragenden Bergseite wiederum ein ganz kleines Thal sich bildet; Felsen und Gebüsche nimmt man auf seiner vordern Seite wahr. Dann beim Ausgange des erwähnten kleinen Thales zieht sich um eine hervorstehende Gebirgstirne fort, welche sehr steil und mit Felsen bedeckt ist, zwischen denen einzelne Birken und Fichten aufragen. Ueberhaupt hat diese Gebirgstirne, wie ich sie nannte, ungemein viel Anziehendes und Romantisches; mehrere Häuser liegen von allerlei Bäumen umschattet an ihrem Fuße hart an, und ernste Felsen heben sich dahinter mahlerisch auf. Durch die Mitte dieses Thales, dessen Schönheiten alle man nicht zu schildern vermag, breitet sich Schlema hinab; man sieht die Kirche und die dahinter liegenden Blaufarbenwerk-Gebäude, woraus weiße Rauchsäulen ruhig emporsteigen, und hinter Allen diesen hebt sich am Ende eine mit dunkler Waldung bedeckte Gebirgwand auf, wodurch der Anblick des Ganzen viel an seinem Abstechenden und Abwechselnden gewinnt. Es ist eine herrliche, unvergleichliche Aussicht! – Und so ist die ganze Gegend um Schneeberg eine der schönsten, die man finden kann; ich übertreibe nichts, wer aufmerksam und genau die Gegend durchwandert hat, wird mir gewiß recht geben. Denn es ist nicht genug, flüchtig seinen Blick auf solche Gegenstände zu richten, man muß auch zugleich auf die Harmonie, den Contrast und die mannichfaltigen Abwechselungen selbst Rücksicht nehmen. – Doch wir wollen uns jetzt mit der Betrachtung einzelner Gegenstände einlassen.


1.
Der Kleesberg.