Am obern Ende des Dorfes gegen das Ritterguth zu zieht sich gegen Abend eine große, begraßte Ebene hinab, welche auf der einen Seite von der Mulde und dem hart daran aufsteigenden hohen Gebirge, dessen obern Theil dunkler Wald bekrönt, – auf der andern Seite von einem flachen, mit einzelner Waldung bedeckten Gebirge umgeben ist, und hinten zieht sich in einem Halbrund ein schwarzer Forst herum, welches einen ungemein schönen Anblick gewährt. Aber weit romantischer wird dieser Anblick durch die Kirche, welche weit entfernt von Celle, ganz allein mitten auf dieser Wiesenfläche steht und auf den ersten Anblick wie ein kleines Kloster in die Augen fällt. Es ist eine herrliche Aussicht, welche sehr lebhaft an die Ritterzeiten und Klostergegenden erinnert.

Die entfernte Lage dieser Kirche hat folgendes Mährchen zur Folge gehabt: Ehedem stand daselbst eine Kirche, welche zu dem ehemaligen Kloster Neucelle, an dessen Stelle jetzt das Ritterguth steht, gehörte. Da nach der Reformation dieses Kloster, nach dem Schicksale mehrerer anderer, aufgehoben wurde, so demolirte man jene Kirche und wollte sie nahe bei dem Dorfe zum Gebrauche für den protestantischen Gottesdienst wieder aufbauen. Aber, o, welch' Wunder! Nicht nur was man aufgebaut hatte, war jede Nacht wieder zerstört, sondern Alles lag wieder an dem alten Orte, wo die Kirche gestanden hatte. Da man nun eine vergebliche Arbeit sah, so baute man die Kirche wieder da auf, wo man sie vorher erst nieder gerissen hatte, und – es fiel keine Neckerei wieder vor, der Bau ward vollendet. So steht heutiges Tages noch die Kirche auf ihrem alten Platze. –

Dieses Mährchen wird mit vielen Variationen in dortiger Gegend erzählt und oft das Ritterguth mit der Kirche verwechselt.

Der Spatziergang durch diese Thalebene ist äußerst ergötzend und wenn man vorzüglich dann den Weg nach Unter-Schlema wandelt, wird man von den schönsten Abwechselungen und Vorstellungen der Natur entzückt; man wird es nicht bereuen, diesen Weg gegangen zu seyn, denn auch Unter-Schlema liegt sehr interessant. Anmuthige Wäldchen wechseln auf den grünen Höhen zur einen Seite, so wie fruchtbare Gefilde sich auf der andern Seite des Thales verbreiten, in welchem die Häuser und Güter zwischen Obstbäumen versteckt liegen.

Wer dann etwa einigen Durst empfindet, der kehre bei dem Steinmüller (so heißt der Eigenthümer einer häufig besuchten Schenke,) ein und labe sich durch einen Trunk Kirchberger-Weißbier, welches man hier vortrefflich erhält.


6.
Uebrige Gegend um Schneeberg.

Hinter dem Gebirge bei Neustädtel liegt der an und für sich und wegen der dabei angelegten Torfstecherei wohl bekannte Filzteich.