3.
Der Walpurgisabend.

Jener, und wie man hoffen darf, ziemlich verschwundene Glaube an Hexen und ihre Macht hat auch im obern Erzgebirge einen Gebrauch hinterlassen, welchen man fast an allen Orten desselben antrifft. Am Abende vor dem ersten Mai nämlich, also am Walpurgisabend hört man in den Gegenden umher ein immer währendes Schießen, bisweilen auch aus Mörsern,[63] wodurch man sonst die in der Luft reitenden Hexen erschießen wollte. Jetzt sollte nun vielmehr dieses Schießen als ein Zeichen des besiegten Aberglaubens angesehen werden, also ein Victoriaschießen nach dem Kampfe mit Irrwahn und Vorurtheil.

Auf den Bergen versammeln sich die Jungen, welche alte Besen anbrennen, sie dann oft herum schwingen und endlich hoch in die Luft schleudern, welches bei dem Dunkel der Nacht ein hübsches Schauspiel abgiebt. Dabei wird übrigens gejubelt und geschrieen, wie es die rohe Jugend immer zu thun pflegt. –

Man belächle diesen alten Gebrauch der Erzgebirger nicht; nicht aus Aberglauben üben sie denselben, ich versichere vielmehr, daß dort die Bergleute in vielen Dingen weit aufgeklärter und belehrter sind, als der niederländische Bauer. So z. B. ist der Glaube an den Berggeist oder Kobel ziemlich verschwunden.


4.
Das Osterficken.

Am ersten Osterfeiertage früh, an einigen Orten am dritten Feiertage Nachmittags, ist es gebräuchlich, daß Bekannte sich aufsuchen und mit Gerten von Birkenreisern oder Wacholder einander peitschen, welches man ficken nennt. Oft im Bette wird man von solchem Zuspruche überrascht und an den Händen oder Füssen ausgefickt. So sieht man die fröhlichen Leute im größten Negligee oft einander auf den Gassen verfolgen. Das weibliche Geschlecht fällt in starker Anzahl oft über eine einzige Mannsperson her und dann wehe dieser; ungeachtet seiner natürlichen Sanftheit verfährt es hier dennoch ohne Schonung. Es ist ein sehr lustiger Krieg, welchen man führt. Auch dieser Gebrauch ist sehr alt und war sonst allgemeiner. –