Man ist ungemein im Erzgebirge für den Vogelfang eingenommen, kleine Jungen sogar sieht man häufig mit einer Klette, worauf Leimruthen stecken, nebst zwei oder drei Lockvögel aufstellen. Das Forstdepartement eifert zwar sehr darüber, aber die geplagten Forstbedienten können nicht überall sehen und seyn. Das Geschlecht der Vögel stirbt darum nicht aus, sonst müßte es jetzt weniger derselben geben, als sonst und dieses kann wohl Niemand beweisen. Uebrigens kommt die viele Waldung und die Menge der Wacholder- und Eibischbeeren dem obergebirgischen Vogelfange sehr zu statten. –
2.
Im Winter das Ruscheln.
Für den Fremden muß es ein besonderer Anblick seyn, wenn er im Winter die obergebirgische Jugend auf kleinen für sie eingerichteten Schlitten von hohen Bergen mit Pfeilesschnelle herunter fahren oder vielmehr gleiten sieht, welches man Ruscheln[66] nennt.
In großer Menge versammeln sich Knaben und Mädchen mit ihren kleinen Schlitten auf der Höhe eines Berges, wo nämlich ein wenig Bahn herab geht, setzen sich auf, geben sich einen Schwung und fliegen schnell den Berg herab; aber sie können sehr geschickt ihren Schlitten mit den Füssen lenken, ohne Schaden zu nehmen. Freilich geht manchmal ein Unglück vor, aber selten, und welches Vergnügen auf dieser Erde ist nicht mit Gefahr und Unglück immer verknüpft? –
Manche, damit es noch schneller geht, lassen ihre Schlitten gar mit glattem Stahle an den Kuffen belegen. Man sieht hieraus, daß an keine Gefahr gedacht wird. Auch macht man in die Ruschelbahn bisweilen, ja gewöhnlich Vertiefungen, damit der Schlitten hier einen neuen Schwung erhält, hoch springt und weit schneller hinab fliegt. Ich habe es sogar gesehen, daß Knaben auf Schlittschuhen die spiegelglatte Bahn eines Berges herab fuhren, ohne zu fallen oder zu wanken. Kälte und Schnee wird gar nicht geachtet, ohne Handschuhe, ja auch barfüssig oft, ergötzt man sich durch das Ruscheln. Manchmal versiehts einer und wirft auf der Hälfte des Weges um, daß er in den Schnee purzelt und der Schlitten allein den Berg herab fliegt: darüber lachen ihn die Andern entsetzlich aus, aber der kleine Schneemann steht gelassen wieder auf, hohlt sich seinen Schlitten wieder und ruschelt nun vorsichtiger. –
Abends beim Mondscheine ruscheln auch die erwachsenen jungen Leute auf größern Schlitten, Handschlitten genannt. Dabei sind oft auch erwachsene Mädchen und eine junge Mannsperson hat dann immer drei bis vier derselben hinter sich auch auf dem Schlitten, nimmt sich zusammen, daß er nicht umwirft und erhält zur Belohnung dann am Ende von jeder ein Küßchen.
Durch dieses Ruscheln erhält der Körper Geschmeidigkeit, wird abgehärtet und fest, so lernt der Knabe Unerschrockenheit und Geistesgegenwart, Muth und Vorsicht und verabscheut jede kleinliche Furcht vor Gefahr. Darum lassen die meisten Aeltern unverwehrt und gern ihre Kinder ruscheln.