3.
Schneehäuser, Schneemänner und Lavinen.

Im Winter vergnügt man sich auch gewöhnlich durch den Schnee selbst. So macht man kleine Schneeballen und setzt daraus hohe pyramidenförmige Häuschen zusammen, worein man Abends ein brennendes Licht setzt. Dieses sieht nun prächtig aus, vorzüglich in der Ferne, daß man gar nicht weiß, wofür man es halten soll; denn die Schneeballen an und für sich sind erleuchtet und durch die Lücken strahlt übrigens noch der hellere Schein hindurch.

Ferner formt man aus dem Schnee große, menschliche Figuren, welche man bemahlt und mit einem ausgehöhlten, bunt durchsichtigen Kürbisse statt des Kopfes ziert, in welchem ebenfalls des Abends ein brennendes Licht gesetzt wird. Damit macht man sich nun viel Spaß. Auch häuft man von Schnee einen Berg auf, in welchem man Höhlen und Ausgänge bildet. – Wenn es thaut und der Schnee sich ballt oder vielmehr ballen läßt, geht man auf hohe, steile Berge, macht einen nicht großen Ball und läßt ihn auf der Oberfläche des Schnees hinunter rollen. Je weiter dieser nun rollt, desto größer wird er und stürzt sich als Lavine dann mit Pfeilesschnelle hinab ins Thal, wodurch aber bisweilen eine ganze Strecke Weges oft verschüttet wird. Solche Lavinen rollen sich häufig auch selbst die Berge herab, aber die Größe und den Schaden haben und thun sie nicht, wie ihre gigantischen Brüder in den Schweitzergebirgen. In den Wäldern jedoch thun sie durch Umknicken junger Bäume manchen Schaden. –


VI.
Kurzes Gespräch zweier Bergleute in obergebirgischer Mundart.

Da auch die Sprache im obern Erzgebirge unter das Interessante desselben kann gezählt werden, so habe ich in folgendem kurzen Gespräche vorzügliche Eigenheiten und Ausdrücke derselben erwähnen wollen. Aus der beigefügten Uebersetzung wird man, so wie aus den Anmerkungen, wird man den Sinn verstehen.

Zwa Barkleut pagönga annanner.Zwei Bergleute begegnen einander.
1.1.
Galück auf, Hänner!Glück auf, Heinrich!
2.2.
Galück auf, Kahr! Wulenden[67] warste däh? Epper im Wald? Glück auf, Karl! Wo warst du denn? Etwa im Walde?
1.1.
Na! Ich ho schuna ganzen Morgn sette Kupwithing, do bi ich a wink hutzen ganga za men Pod Dafet. Nein! ich habe schon seit dem ganzen Morgen solches Kopfweh, da bin ich ein wenig auf Besuch gegangen zu meinem Pathen David.
2.2.
Do warste? – Jasuh. Sei netta Madla za rocken bei den Pod? Aff gieng racht za Foden. Da warst du? – Ja so. Sind nicht auch Mädchen zu Rocken bei deinem Pathen? es gieng recht lustig zu.
1.1.
Eiuh! Aff Müllerhannel un aff Schmidtrickel un aff Beierkordel wa do, se thaten singa. O ja! Müllers Hannchen, Schmidts Rieckchen und Beiers Kordchen waren da; sie sangen.
2.2.
Hos schu gahärt. 'ssei rachte Kröten! – Izza ho ich a an Achherrl, doss iss a schi Dink; aff hängt annän Köthel. Habs schon gehört, es sind rechte Kreten![68] – Jetzt habe ich auch ein Eichhörnchen, das ist ein schönes Ding; es hängt an einem Kettchen.
1.1.
Ei Sackerwunna, das muß ich asah! Nochmittig kumm ich a wink hutzen zuder. Ei der Tausend, das muß ich ansehen! Nachmittag komme ich ein wenig zu dir.
2.2.
Nu 'siss racht, da kimmst a gar nett in Zod. Hosta däh za thu? Nun das ist recht, du läßt dich auch gar nicht sehen. Hast du denn zu thun?
1.1.
Dos sei Sachen! Ich muß Bornkinnelsachen schnitzen, do stih ich nett vun men Söser auf, bis Ohmst, nocher ratz ich a wink un fahr ah. O ja! Ich muß heilge Christsachen schnitzen, da stehe ich nicht von meinem Sitze auf bis Abends, nachher schlafe ich ein wenig und fahre dann an.
2.2.
Off da Woch iss Garmerig; ich ho oder ka Gald, sist hätt ich mer ann Zscharper gakaft. Die nächste Woche ist Jahrmarkt; ich habe aber kein Geld, sonst hätte ich mir einen Zscherper[69] gekauft.
1.1.
I der alte iss ah gut. Ich mussa ham, mer wolln assen, Ardöppel mit Göllerla un a Battelmadelsupp. Je, der alte ist auch gut. Ich muß nach Hause, wir wollen essen, Erdäpfel mit Schalen und eine Brodkümmelsuppe.
2.2.
Ich wahr mer en Harig fer en Sechser huhlen losen. Galück auf, Kahr! Ich werde mir einen Hering für einen Sechser hohlen lassen. Glück auf, Karl!
1.1.
Galück auf, Hänner!Glück auf, Heinrich!

VII.
An das Erzgebirge.